Webdesigner vs Webentwickler: Wer baut die bessere Website?

Webdesigner vs Webentwickler – Social Media liebt Drama. In der Praxis zählt aber: Verstehen Besucher Ihr Angebot? Finden sie sich zurecht? Und kommt überhaupt jemand auf die Seite? Genau darüber geht’s hier.

Ich scrolle durch Social Media, sehe einen Beitrag mit der Überschrift:

„Webdesigner vs. Webentwickler“

und denke mir:

Oh nein. Bitte nicht schon wieder Lagerkampf.

Und natürlich dauert es nicht lange:

Webentwickler seien die besseren Website-Ersteller. Webdesigner machten zwar hübsche Seiten, hätten aber keine Ahnung von Code, Technik oder SEO.

Kurz rolle ich mit den Augen.

Dann doch weitergelesen.

Denn eigentlich ist das Thema interessant.

Nur die Diskussion darüber ist mir meistens ein bisschen zu schwarz-weiß.

Webdesigner machen hübsch. Entwickler können Technik. Wirklich?

Berufsbezeichnungen sagen erstaunlich wenig darüber aus, was jemand tatsächlich kann.

Ich kenne beide Seiten.

Ich habe gelernt, Websites zu programmieren.

Und damit meine ich tatsächlich Code – nicht nur „Ich habe da irgendwo einen CSS-Schnipsel hineinkopiert und hoffe jetzt das Beste“.

Ich weiß, was hinter einer Website passiert, kann technische Zusammenhänge nachvollziehen und bei Bedarf auch dort eingreifen, wo ein Baukastenelement alleine nicht mehr weiterhilft.

Genau das war mir beim Lernen immer wichtig: nicht nur zu wissen, wo ich klicken muss, sondern zu verstehen, was hinter den Kulissen eigentlich passiert.

Denn wenn man versteht, wie etwas aufgebaut ist, findet man meist auch dann noch eine Lösung, wenn es einmal nicht so funktioniert, wie es sollte.

Und glauben Sie mir:

Dieses Wissen hat mir schon öfter den Hintern gerettet.

Gleichzeitig bin ich Webdesignerin.

Ich beschäftige mich mit Gestaltung, Nutzerführung, Markenauftritt, Struktur, Texten, SEO und der Frage, wie eine Website für die Menschen funktioniert, die sie benutzen sollen.

Bin ich jetzt Designerin?

Entwicklerin?

Irgendetwas dazwischen?

Ganz ehrlich:

Ist mir ziemlich egal.

Viel wichtiger ist doch die Frage:

Kann die Person vor Ihnen die Website entwickeln, die Ihr Unternehmen tatsächlich braucht?

Schlechte Websites gibt es auf beiden Seiten

Sauberer Code rettet kein schlechtes Konzept. Schönes Design keine schlechte Technik.

Ich habe Websites von Designerinnen gesehen, die wunderschön aussahen – und technisch an mehreren Stellen ziemlich gewackelt haben.

Und ich habe technisch einwandfreie Websites gesehen, bei denen ich mich gefragt habe, ob Gestaltung und Nutzerfreundlichkeit irgendwann während der Entwicklung einfach vergessen wurden.

Beides bringt Ihnen wenig.

Eine gute Website braucht mehrere Ebenen:

  • eine klare Struktur,

  • verständliche Inhalte,

  • passende Gestaltung,

  • vernünftige Technik,

  • gute Darstellung auf unterschiedlichen Geräten,

  • angemessene Ladezeiten,

  • eine sinnvolle SEO-Grundlage

  • und einen klaren Weg für die Menschen, die etwas von Ihnen möchten.

Technische Performance ist dabei selbstverständlich auch relevant: Die Core Web Vitals messen unter anderem Ladeverhalten, Reaktionsfähigkeit und visuelle Stabilität einer Seite. Sie sind aber eben ein Teil des Gesamtbildes – nicht die alleinige Wahrheit über eine gute Website.

Technik und Gestaltung gegeneinander auszuspielen ergibt deshalb ungefähr so viel Sinn wie die Diskussion, ob bei einem Haus der Architekt oder der Baumeister wichtiger ist.

Ich mag solche Diskussionen nicht gerne.

Im Idealfall funktioniert das Ganze miteinander.

Warum ich Programmieren gelernt habe

Weil ich verstehen wollte, was hinter dem schönen Frontend eigentlich passiert.

Ich habe Websites von Grund auf programmiert.

Und ja: Das war spannend.

Es hilft mir bis heute.

Ich verstehe dadurch wesentlich besser, warum bestimmte Dinge funktionieren, warum andere nicht funktionieren und wo ich suchen muss, wenn eine Website beschließt, plötzlich ihren eigenen kreativen Weg zu gehen.

Trotzdem programmiere ich heute kaum eine Kundenwebseite komplett von Hand.

Warum sollte ich?

Für viele kleine und mittlere Unternehmenswebsites gibt es Systeme, mit denen sich eine professionelle, flexible und gut wartbare Lösung wesentlich wirtschaftlicher umsetzen lässt.

Das kann WordPress sein.

Ein Baukastensystem.

Ein Shopsystem.

Oder je nach Projekt etwas anderes.

Das Werkzeug sollte sich nach dem Projekt richten.

Nicht das Projekt nach dem Lieblingswerkzeug des Webdesigners.

Ein Baukasten ist nicht automatisch unprofessionell

Und handgeschriebener Code ist nicht automatisch die Krönung der Webentwicklung.

Auch diese Diskussion begegnet mir immer wieder.

„Eine professionelle Website muss individuell programmiert sein.“

Nein.

Sie kann individuell programmiert sein.

Und bei bestimmten Anforderungen ist das vollkommen sinnvoll.

Aber wenn Sie eine überschaubare Unternehmenswebsite brauchen, auf der Sie später selbst einen Text ändern, ein Bild austauschen oder einen Blogartikel veröffentlichen möchten, kann (wird) ein gut gewähltes Content-Management- oder Baukastensystem die wesentlich passendere Lösung sein.

WordPress beispielsweise ist ausdrücklich darauf ausgelegt, dass Inhalte wie Texte, Bilder, Überschriften oder Beiträge über einen visuellen Editor bearbeitet werden können.

Die entscheidende Frage lautet also nicht:

„Ist das programmiert oder mit einem System gebaut?“

Sondern:

„Ist die gewählte technische Lösung für mein Unternehmen sinnvoll?“

Was mich wirklich stört: künstliche Abhängigkeit

Eine komplizierte Website ist kein Qualitätsmerkmal.

Ich habe einmal in einer Agentur gearbeitet, in der WordPress so individuell umgesetzt wurde, dass Kundinnen und Kunden selbst praktisch nichts ändern konnten.

Jede Kleinigkeit wurde zum Ticket.

Jede Textänderung zur Anfrage.

Jedes neue Bild zur Rechnung.

Kann man so machen.

Ich möchte so nicht arbeiten.

Wenn jemand seine Website selbst pflegen möchte, sollte das meiner Meinung nach auch möglich sein.

Natürlich gibt es Bereiche, bei denen technische Betreuung sinnvoll ist.

Und natürlich möchte nicht jeder Kunde selbst an seiner Website arbeiten.

Manche sind heilfroh, wenn sie nie wieder einen WordPress-Login sehen müssen.

Auch wunderbar.

Aber das sollte eine bewusste Entscheidung des Kunden sein.

Keine künstlich erzeugte Abhängigkeit.

Und dann kommt SEO

Nein, ein Webentwickler besitzt nicht automatisch das geheime Google-Wissen.

Eine weitere Behauptung aus solchen Diskussionen lautet gerne:

„Webdesigner vergessen SEO.“

Ja.

Kommt vor.

Webentwickler übrigens auch.

Denn SEO ist weder automatisch Design noch automatisch Entwicklung.

Es ist ein eigenes Fachgebiet.

Eine technisch saubere Website ist dafür eine wichtige Grundlage.

Aber Google beurteilt nicht einfach, wie elegant Ihr Quellcode aussieht. Google nennt unter anderem hilfreiche Inhalte, nachvollziehbare Seitenstrukturen, verständliche URLs und eine technisch zugängliche Website als wichtige Grundlagen dafür, Inhalte zu verstehen und auffindbar zu machen.

Deshalb gehört für mich zu einer Website zumindest eine vernünftige SEO-Basis.

Aber auch hier gilt:

Eine technisch und inhaltlich gut vorbereitete Website garantiert Ihnen nicht automatisch Platz eins bei Google.

Wenn Ihnen das jemand verspricht, würde ich persönlich langsam Richtung Ausgang gehen.

Das größere Problem ist oft nicht Designer gegen Entwickler

Sondern die Frage, ob überhaupt jemand auf Ihre Website kommt.

Das wird in diesen Diskussionen gerne vergessen.

Sie können eine technisch hervorragende Website haben.

Wunderschön gestaltet.

SEO-Basics erledigt.

Mobil sauber.

Schnell.

Und trotzdem passiert erstaunlich wenig.

Warum?

Vielleicht weiß schlicht kaum jemand, dass es Sie gibt.

Eine Website erzeugt nicht automatisch Sichtbarkeit.

Menschen müssen irgendeinen Weg dorthin finden.

Das kann beispielsweise passieren über:

  • Google,

  • Empfehlungen,

  • Netzwerke,

  • Social Media,

  • Ihr Google-Unternehmensprofil,

  • Newsletter,

  • Presse und Kooperationen,

  • Verlinkungen

  • oder bezahlte Werbung.

Google selbst weist in seinem SEO-Leitfaden übrigens ausdrücklich darauf hin, dass Website-Betreiber ihre Inhalte bekannt machen sollten, damit Menschen – und damit indirekt auch weitere Verlinkungen und Signale – entstehen können.

Deshalb würde ich auch hier nicht sagen:

„Sie brauchen unbedingt Werbung.“

Aber sehr wohl:

„Sie brauchen einen Plan, wie die richtigen Menschen überhaupt von Ihrer Website erfahren.“

Eine Website allein ist noch keine Marketingstrategie

„Sie ist online“ ist leider kein Vertriebskonzept.

Das ist vielleicht eine der unangenehmeren Wahrheiten.

Gerade kleine Unternehmen investieren viel Geld und Zeit in eine neue Website.

Dann geht sie online.

Und danach:

nichts.

Man wartet.

Ein bisschen Google vielleicht.

Gelegentlich ein Instagram-Post.

Und nach drei Monaten kommt die Frage:

„Warum bringt die Website keine Kunden?“

Die Antwort kann viele Ursachen haben.

Vielleicht fehlt Sichtbarkeit.

Vielleicht ist das Angebot unklar.

Vielleicht passt die Positionierung noch nicht.

Vielleicht versteht niemand auf der Website, warum er gerade bei Ihnen richtig ist.

Vielleicht stimmt tatsächlich etwas mit Struktur oder Technik nicht.

Genau deshalb ist für mich die Website immer nur ein Teil des gesamten Auftritts.

Ein wichtiger.

Aber eben nicht der einzige.

Was sollte ein gute(r) WebdesignerIn oder WebentwicklerIn also können?

Nicht alles selbst. Aber wissen, was für Ihr Projekt wichtig ist.

Ich erwarte nicht, dass ein einzelner Mensch gleichzeitig Spitzenentwickler, UX-Spezialist, Texter, SEO-Profi, Fotograf, Datenschutzjurist, Serveradministrator und Werbestratege ist.

Irgendwann wird es albern.

Wichtiger finde ich:

Eine gute(r) Webdesigner(in) sollte erkennen, welche Themen für Ihr Projekt relevant sind.

Und er/sie sollte transparent sagen können:

Das kann ich selbst.

Dafür arbeite ich mit jemandem zusammen.

Das müssen Sie extern klären lassen.

Das brauchen Sie momentan überhaupt nicht.

Genau das ist für mich Professionalität.

Nicht so zu tun, als könne man alles.

Sondern zu wissen, was notwendig ist.

Worauf ich bei einer Website wirklich achten würde

Die Berufsbezeichnung steht ziemlich weit unten auf meiner Liste.

Wenn Sie jemanden für Ihre Website suchen, würde ich weniger darüber nachdenken, ob auf der Visitenkarte „Webdesigner“ oder „Webentwickler“ steht.

Ich würde fragen:

Versteht diese Person mein Unternehmen?

Fragt sie nach meiner Zielgruppe?

Versteht sie mein Angebot?

Kann sie erklären, warum sie bestimmte Entscheidungen empfiehlt?

Denkt sie an Nutzerführung?

An Mobilgeräte?

An Ladezeiten?

An SEO-Grundlagen?

An Wartung?

An Datenschutz?

Kann ich meine Inhalte später bearbeiten, wenn ich das möchte?

Passt die vorgeschlagene Technik zu meinem tatsächlichen Bedarf?

Und vielleicht am wichtigsten:

Habe ich das Gefühl, dass mir hier jemand eine sinnvolle Lösung bauen möchte – oder einfach die Lösung verkauft, die er immer verkauft?

Mein Fazit: Webdesigner oder Webentwickler?

Nehmen Sie jemanden, der über den eigenen Tellerrand schauen kann.

Ich halte nicht viel von diesem künstlichen Lagerkampf.

Designer gegen Entwickler.

Code gegen Baukasten.

Kreativität gegen Technik.

Eine gute Website braucht mehrere Disziplinen.

Wie viel davon eine einzelne Person selbst abdeckt und wann Spezialisten dazukommen, hängt vom Projekt ab.

Entscheidend ist am Ende nicht das Etikett.

Entscheidend ist:

Verstehen Besucherinnen und Besucher Ihr Angebot?

Finden sie sich zurecht?

Funktioniert die Website technisch zuverlässig?

Kann sie gefunden werden?

Passt sie zu Ihrem Unternehmen?

Und wissen Sie, wie Sie die richtigen Menschen überhaupt dorthin bekommen?

Wenn diese Fragen vernünftig beantwortet sind, kann es Ihnen egal sein, ob auf der Visitenkarte Webdesignerin, Webentwicklerin oder Webirgendwas steht.

Sie möchten eine Webseite – aber keine Grundsatzdiskussion über Code?

Sehr angenehm.

Dann schauen wir lieber darauf, was Ihr Unternehmen tatsächlich braucht.

 

Ich verbinde Gestaltung mit technischem Verständnis und wähle die Lösung danach aus, was zu Ihrem Projekt, Ihrem Budget und Ihrer späteren Arbeitsweise passt.

Und wenn Sie selbst umsetzen möchten, begleite ich Sie auch dabei – damit Sie nicht alleine zwischen Technik, Design, SEO und 47 widersprüchlichen Tutorials hängen bleiben.

Blog-Autorin Manuela Spiegelfeld
AUTORIN Manuela Spiegelfeld

Gründerin von ARTbySpiegelfeld.
Ich schreibe über Gestaltung, Webdesign, Sichtbarkeit und das, was mir im Business-Alltag sonst noch begegnet.

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