Nebenjob trotz Selbständigkeit? Warum diese Entscheidung mir mehr Freiheit statt weniger gebracht hat
Ich werde tatsächlich öfter gefragt:
„Manuela … ich bin selbständig und denke ernsthaft über einen Nebenjob trotz Selbständigkeit nach. Was meinst Du dazu?“
Und ganz ehrlich? Ich verstehe diese Gedanken nicht nur theoretisch – ich kenne sie selbst.
Denn Selbständigkeit hat wunderschöne Seiten. Freiheit. Eigene Entscheidungen. Das Gefühl, etwas Eigenes aufzubauen.
Aber sie hat eben auch ihre Aufs und Abs.
Und mal ehrlich: Diese Phasen können ziemlich angsteinflößend sein.
Die Momente, in denen weniger Aufträge kommen. Wenn Rechnungen trotzdem da sind. Wenn der Kontostand plötzlich mehr Aufmerksamkeit bekommt, als einem lieb ist.
Und genau dann taucht bei vielen eine Frage auf:
Wäre ein Nebenjob vielleicht die Lösung?
Warum Sicherheit manchmal wichtiger wird
Schlechter Schlaf hat noch nie jemandem geholfen.
Und ich kenne diese Nächte. Dieses ewige Gedankenkarussell. Dieses ständige Rechnen im Kopf. Dieses Gefühl, nie wirklich abzuschalten.
Egal, was manche Wunder-Influencer erzählen: Selbständigkeit läuft nicht dauerhaft auf Wolke sieben.
Es gibt gute Phasen. Und es gibt die anderen.
Und irgendwann möchte man keine weiteren gut gemeinten Ratschläge oder Motivationssprüche mehr hören. Man möchte nicht lesen, dass man einfach nur „positiv denken“ oder „noch sichtbarer werden“ soll.
Man möchte einfach nur Sicherheit.
Ich bin seit vielen Jahren selbständig und kenne genau diese Phasen. Nächte, in denen der Kopf einfach nicht still wird. Gedanken, die man mit ins Bett nimmt. Rechnungen, Ideen, Sorgen, To-do-Listen – alles dreht noch eine Extrarunde, obwohl man eigentlich schlafen sollte.
Dazu kam bei mir noch etwas anderes:
Für mich war es eine riesige Hürde, Geld vom Firmenkonto privat auszugeben. Ich habe mir über Jahre fast nichts mehr gegönnt. Und wenn doch, dann oft mit schlechtem Gewissen.
Weil es sich in meinem Kopf immer angefühlt hat wie:
„Das ist Firmengeld.“
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl. Eigentlich läuft etwas – und trotzdem fühlt sich jede private Ausgabe plötzlich falsch an.
Ein Restaurantbesuch.
Etwas Schönes für sich selbst.
Oder einfach etwas kaufen, ohne sofort innerlich zu rechnen.
Wenn alles ständig ins Business fließt, vergisst man manchmal sich selbst.
Und genau deshalb habe ich vor einiger Zeit entschieden, ein paar Stunden nebenbei arbeiten zu gehen.
Nicht, weil ich aufgegeben habe.
Nicht, weil mein Business gescheitert wäre.
Sondern weil ich gemerkt habe:
Ich brauche Luft zum Atmen.
Ich brauche Sicherheit.
Und ich brauche einen Weg, der sich für mich stimmig anfühlt.
Die andere Seite: Wenn das eigene Business plötzlich stehen bleibt
Aber – und das gehört genauso dazu – ich sehe auch immer wieder die andere Seite.
Bei Kundinnen und Kunden, aber auch generell im Business-Alltag.
Denn ein Nebenjob bringt nicht nur Sicherheit.
Er kostet oft auch Zeit, Energie und Kraft.
Und genau hier wird es spannend. Denn meistens hört man eine ganz bestimmte Aussage:
„Wenn Sie nebenbei arbeiten gehen, ist Ihr Business zum Scheitern verurteilt.“
So wurde es mir damals auch gesagt. Die Begründung klingt oft ähnlich:
Man sei nicht mehr zu 100 % fokussiert. Nicht mehr voll dabei. Nicht mehr „all in“.
Und ganz ehrlich? Ich verstehe, woher dieser Gedanke kommt.
Natürlich braucht ein Business Aufmerksamkeit. Zeit. Entscheidungen. Dranbleiben. Ein eigenes Unternehmen baut sich selten nebenbei ganz von allein auf.
Aber ich habe mir irgendwann eine andere Frage gestellt:
Was nützt ein 100%-Fokus, wenn man nachts kaum schläft (bin ich überhaupt leistungsfähig bei fehlendem Schlaf)?
Was bringt volle Konzentration, wenn ständig die Angst mit am Tisch sitzt?
Wenn jede Rechnung Stress auslöst. Wenn jeder Auftrag überlebenswichtig wirkt. Wenn die Gedanken nie wirklich still werden.
Denn genau da beginnt etwas, das viele unterschätzen:
Menschen spüren Unsicherheit. Nicht bewusst. Nicht, weil jemand es ausspricht. Aber Menschen merken oft sehr fein, wenn Druck, Panik oder Existenzangst im Hintergrund mitschwingen.
Und manchmal überträgt sich genau das unbewusst auf Gespräche, Angebote oder Verkaufssituationen.
Plötzlich möchte man den Auftrag nicht nur gerne haben – man braucht ihn.
Und genau das verändert oft die eigene Ausstrahlung.
Die Nachteile: Was ein Nebenjob wirklich mitbringen kann
Das bedeutet nicht, dass ein Nebenjob automatisch die bessere Lösung ist. Denn auch die Nachteile verdienen Ehrlichkeit.
Ich erlebe immer wieder, dass das eigene Business irgendwann auf „später“ verschoben wird. Man arbeitet tagsüber.
Dann wartet der Haushalt.
Die Familie.
Der Alltag.
Und irgendwann sitzt man abends vor den Aufgaben fürs Business – und der Akku ist leer. Nicht nur körperlich. Auch mental.
Und genau das ist oft entscheidend.
Denn ein Business braucht nicht nur Zeit.
Es braucht Kreativität. Mut. Ideen. Klarheit.
Und manchmal einfach den freien Kopf, um Entscheidungen zu treffen.
Wenn diese Energie dauerhaft fehlt, kann es passieren, dass das Business langsam ins Stocken gerät.
Nicht aus fehlendem Willen.
Nicht aus mangelnder Disziplin.
Sondern weil irgendwann einfach nichts mehr übrig ist.
Und das ist oft der Punkt, den viele unterschätzen:
Zeitmangel ist selten das größte Problem.
Energiemangel ist es.
Was ich selbst nicht erwartet habe
Ich weiß heute über mich selbst etwas sehr Wichtiges: Ich bin ein Mensch, der beim Thema Geld Sicherheit braucht. Ich denke eher vorsichtig.
Ich plane lieber einen Schritt mehr als einen zu wenig.
Und genau deshalb war dieser Weg für mich richtig.
Und jetzt kommt etwas, womit ich selbst nicht gerechnet hätte:
Ich habe heute sogar mehr Energie.
Mein Nebenjob ist in einer komplett anderen Branche. Mit Kolleginnen und Kollegen. Mit Gesprächen. Mit Menschen.
Und für jemanden wie mich, der oft sehr viel alleine arbeitet, tut genau das unglaublich gut.
Andere Gedanken.
Andere Themen.
Andere Perspektiven.
Und statt mich auszubremsen, ist etwas Überraschendes passiert: Nach der Arbeit habe ich oft mehr Motivation, an meinem Business weiterzuarbeiten.
Nicht aus Druck.
Nicht aus Existenzangst.
Sondern weil ich wieder Lust darauf habe.
Weil sich mein Business wieder nach meinem Projekt anfühlt – und nicht nach täglichem Überlebenskampf.
Und genau das ist oft entscheidend: Manchmal bringt weniger Druck mehr Energie zurück.
Weil sich mein Business wieder nach meinem Projekt anfühlt – und nicht nach täglichem Überlebenskampf.
Häufige Fragen zu Nebenjob und Selbständigkeit
Ist ein Nebenjob trotz Selbständigkeit ein Rückschritt?
Nein. Für viele ist er eine bewusste Zwischenlösung und bringt finanzielle Entlastung. Sicherheit ist kein Scheitern.
Kann ein Nebenjob beim Business-Aufbau helfen?
Ja. Weniger finanzieller Druck kann zu besseren Entscheidungen und mehr Klarheit führen.
Nimmt ein Nebenjob zu viel Energie?
Das kann passieren. Deshalb lohnt es sich, ehrlich hinzuschauen: Gibt dir der Job Kraft – oder nimmt er sie?
Fazit: Es gibt nicht den einen richtigen Weg
Ganz ehrlich: Ich schreibe das nicht, um jemanden zu einem Nebenjob zu überreden.
Und auch nicht, um zu sagen: „Mach es genauso wie ich.“
Denn jeder Weg sieht anders aus.
Für mich war dieser Schritt kein Rückschritt.
Er war Entlastung.
Mehr Ruhe.
Mehr Schlaf.
Mehr Freiheit.
Und vielleicht sogar das Beste aus zwei Welten.
Wie sehen Sie das?

