Kennen Sie das?
Der Kalender erinnert Sie daran, dass heute eigentlich wieder ein Posting-Tag wäre.
Nur die kreative Muse hat offenbar frei.
Schon der Gedanke daran, jetzt noch schnell einen Social-Media-Beitrag zu erstellen, fühlt sich eher nach Pflicht als nach Inspiration an.
Und gleichzeitig hört man von allen Seiten:
Sie müssen regelmäßig posten. Sie müssen sichtbar sein. Sie müssen Content produzieren.
Müssen wir wirklich?
Ich sehe das inzwischen etwas entspannter.
Auch ich bin ein Social-Media-Muffel
Und das, obwohl Social Media zu meiner Arbeit gehört.
Vielleicht ist das ein wenig ungewöhnlich:
Obwohl ich beruflich mit Social Media arbeite, bin ich selbst ein ziemlicher Posting-Muffel.
Ich beschäftige mich lieber mit einer Website, schreibe einen Blogartikel oder arbeite an einem Kundenprojekt, als mir am Dienstagmorgen verzweifelt zu überlegen:
Was poste ich heute noch schnell auf Instagram?
Meine Website und mein Blog sind für mich die eigentliche Basis meines Unternehmens.
Dort bestimme ich selbst über Inhalte, Gestaltung und Struktur.
Social Media nutze ich ergänzend.
Um Einblicke zu zeigen.
Neue Inhalte zu teilen.
Projekte sichtbar zu machen.
Oder einfach daran zu erinnern:
Mich gibt es auch noch.
Und das funktioniert für mich wesentlich besser, als mein gesamtes Unternehmen davon abhängig zu machen, was irgendein Algorithmus gerade gerne sehen möchte.
Social Media ist nicht kostenlos
Zumindest nicht, wenn Sie Ihre Zeit mitrechnen.
Ein Social-Media-Konto kostet zunächst kein Mediabudget.
Das stimmt.
Aber kostenlos ist Social Media deshalb noch lange nicht.
Denn Inhalte brauchen Zeit (sofern man diese selbst gestaltet und nicht alles den gewissen Tools überlässt).
Ideen sammeln.
Fotos machen.
Texte schreiben.
Beiträge gestalten.
Kommentare beantworten.
Nachrichten lesen.
Und eventuell noch Videos schneiden.
Wenn Sie all das selbst erledigen, investieren Sie nicht unbedingt Geld – aber sehr wohl Arbeitszeit.
Und die gehört genauso zu Ihrem Unternehmen wie jede andere Ressource.
Deshalb finde ich es vollkommen legitim zu fragen:
Wie viel Zeit möchte ich überhaupt in Social Media investieren?
Sie müssen nicht jeden Tag posten
Entscheidend ist, was Sie langfristig durchhalten können.
Nicht jedes Unternehmen braucht täglich neue Beiträge.
Und auch eine fixe Regel wie „dreimal pro Woche“ halte ich für wenig hilfreich.
Wie häufig Sie posten, hängt von Ihrem Unternehmen, Ihrer Zielgruppe, Ihren Themen und natürlich auch von Ihren eigenen Möglichkeiten ab.
Was bringt Ihnen ein ehrgeiziger Contentplan, wenn Sie ihn nach drei Wochen bereits hassen?
Dann lieber weniger.
Aber dafür so, dass es zu Ihrem Alltag passt.
Ein veröffentlichter, guter Beitrag kann etwas bewirken.
Der perfekte Beitrag, der seit drei Wochen als Entwurf herumliegt, eher nicht.
Finden Sie Themen, über die Sie wirklich sprechen möchten
Social Media wird leichter, wenn Sie nicht ständig „Content erfinden“ müssen.
Vielleicht liegt die Blockade gar nicht daran, dass Ihnen nichts einfällt.
Vielleicht versuchen Sie auch, Dinge zu posten, die Ihnen selbst eigentlich gar nicht liegen.
Ich persönlich teile zum Beispiel nur ungern sehr private Einblicke. Und ich halte das auch nicht für notwendig, damit jemand mich als Agentur bucht.
Natürlich darf Persönlichkeit sichtbar sein – aber Persönlichkeit bedeutet für mich nicht, das eigene Privatleben öffentlich auszubreiten.
Ich kann zeigen, wie ich arbeite, wie ich denke, worüber ich mich freue oder ärgere und was mir bei meiner Arbeit wichtig ist, ohne jeden privaten Moment zu teilen.
Social Media darf schließlich zu Ihnen passen – nicht umgekehrt.
Überlegen Sie stattdessen:
Was beschäftigt mich gerade?
Welche Frage hat mir eine Kundin oder ein Kunde gestellt?
Woran arbeite ich?
Was ist mir aufgefallen?
Was hat gut funktioniert?
Was ist schiefgegangen?
Worüber habe ich eine klare Meinung?
Genau daraus entstehen oft die interessantesten Beiträge.
Nicht aus:
„Ich brauche noch irgendeinen Post für Donnerstag.“
Sammeln Sie Ideen, wenn sie entstehen
Denn auf Kommando kreativ zu sein, funktioniert erstaunlich schlecht.
Ich halte viel davon, Ideen sofort festzuhalten.
Im Handy.
Im Notizbuch.
In einer Datei.
Ganz egal.
Wenn Ihnen während eines Kundengesprächs ein Thema einfällt, notieren Sie es.
Wenn Sie sich über etwas ärgern und denken:
Darüber müsste ich eigentlich einmal schreiben.
Notieren.
Wenn Ihnen jemand dieselbe Frage zum dritten Mal stellt:
Notieren.
So entsteht nach und nach eine kleine Sammlung.
Und plötzlich müssen Sie nicht mehr an einem bestimmten Vormittag verzweifelt nach einem Thema suchen.
Sie greifen einfach auf etwas zurück, das ohnehin schon da war.
Vereinfachen Sie Ihre Abläufe
Social Media muss nicht jedes Mal ein kleines Designprojekt werden.
Ein Beitrag darf einfach sein.
Sie müssen nicht für jedes Posting ein völlig neues Layout erfinden.
Ein paar wiederkehrende Vorlagen können sehr hilfreich sein.
Zum Beispiel für:
Tipps
Projekt-Einblicke
persönliche Gedanken
Blogartikel
Kundenfragen
Vorher-Nachher-Beispiele
kleine Einblicke in den Arbeitsalltag
Auch Bildmaterial können Sie im Voraus sammeln.
Wenn Sie ohnehin an einem Projekt arbeiten, machen Sie ein paar Fotos.
Fotografieren Sie Details.
Zwischenschritte.
Ihren Arbeitsplatz.
Materialien.
Notizen.
Dann haben Sie später etwas zur Verfügung, ohne extra für Social Media eine künstliche Situation erzeugen zu müssen.
Perfektionismus macht das Posten unnötig schwer
Nicht jeder Beitrag muss ein kleines Meisterwerk sein.
Das kenne ich selbst.
Man feilt am Text.
Dann passt das Bild noch nicht.
Dann müsste eigentlich die Grafik geändert werden.
Vielleicht doch eine andere Überschrift.
Und irgendwann ist man mit einem einzigen Beitrag länger beschäftigt als mit einer halben Kundenaufgabe.
Manchmal ist gut einfach gut genug.
Gerade Social Media lebt auch von kleinen Einblicken.
Nicht jede Veröffentlichung muss dieselbe gestalterische Tiefe haben wie Ihre Website oder ein fertiges Kundenprojekt.
Natürlich soll es zu Ihrer Marke passen.
Aber es darf trotzdem unkompliziert sein.
Und wenn Sie einmal nichts posten?
Dann passiert vermutlich weniger Dramatisches, als Sie denken.
Ich glaube, viele setzen sich hier selbst unnötig unter Druck.
Wenn Sie eine Woche nicht posten, geht Ihr Unternehmen nicht automatisch unter.
Auch zwei Wochen sind kein Weltuntergang.
Vielleicht arbeiten Sie gerade intensiv.
Vielleicht brauchen Sie eine Pause.
Vielleicht gibt es schlicht nichts, was Sie unbedingt erzählen möchten.
Das darf sein.
Wichtig finde ich nur, dass aus:
„Diese Woche habe ich keine Zeit.“
nicht irgendwann unbemerkt:
„Ich war seit acht Monaten nirgendwo mehr sichtbar.“
wird.
Das sind zwei verschiedene Dinge.
Social Media ist für mich ein Kanal – nicht mein Business-Zuhause
Meine Website bleibt die Basis.
Das ist wahrscheinlich meine wichtigste persönliche Erkenntnis.
Social Media ist für mich ein Werkzeug.
Nicht mein gesamtes Marketing.
Nicht mein Unternehmen.
Und schon gar nicht mein digitaler Lebensmittelpunkt.
Meine Website gehört mir.
Mein Blog gehört mir.
Dort kann ich ausführlicher erklären, wie ich arbeite, was mir wichtig ist und welche Leistungen ich anbiete.
Social Media hilft mir dabei, Menschen auf diese Inhalte aufmerksam zu machen und kleine Einblicke in meine Arbeit zu geben.
Diese Rollenverteilung fühlt sich für mich wesentlich entspannter an.
Social Media darf auch einfach Spaß machen
Sonst wird aus Sichtbarkeit schnell eine Dauerpflicht.
Ich glaube, man merkt Beiträgen an, wenn sie ausschließlich aus Pflichtgefühl entstanden sind.
Nicht immer.
Aber erstaunlich oft.
Deshalb versuche ich inzwischen, Social Media eher dann zu nutzen, wenn ich etwas zu zeigen oder zu erzählen habe.
Ein Projekt.
Eine Beobachtung.
Eine kleine Geschichte.
Etwas, worüber ich mich geärgert habe.
Oder etwas, das mich gefreut hat.
Dann fühlt es sich weniger nach:
„Ich muss heute Content produzieren.“
an.
Und mehr nach:
„Das möchte ich kurz teilen.“
Damit kann ich wesentlich besser leben.
Mein Fazit: Sie müssen kein Social-Media-Held sein
Ich werde vermutlich nie zu den Menschen gehören, die morgens voller Vorfreude aufstehen und denken:
Herrlich. Heute produziere ich fünf Reels.
Und wissen Sie was?
Das muss ich auch nicht.
Social Media ist ein Werkzeug.
Kein Charaktertest für Unternehmerinnen und Unternehmer.
Ich nutze es dort, wo es für mich und mein Unternehmen sinnvoll ist.
Ich poste, wenn ich etwas zu erzählen habe.
Und wenn einmal eine Woche nichts kommt, geht die Welt erstaunlicherweise trotzdem weiter.
Meine Website bleibt meine Basis.
Mein Blog bekommt meine ausführlicheren Gedanken.
Und Social Media darf das tun, was es für mich am besten kann:
Menschen zwischendurch einen Blick hinter die Kulissen geben und sie daran erinnern, dass es mich gibt.
