Personal Brand: Bitte nicht glattbügeln
Ja, ich weiß: Der Satz „Nicht jeder muss Sie mögen“ tut weh.
Gerade am Anfang der Selbstständigkeit.
Da ist die Angst, dass sonst niemand kauft. Dass man zu speziell ist. Zu laut. Zu leise. Zu anders. Oder irgendwie einfach falsch.
Und dann sieht man überall diese perfekten Auftritte: durchgestylte Websites, makellose Fotos, glattgebügelte Texte. Schnell entsteht das Gefühl, dass genau so Erfolg aussehen muss.
Also passen wir uns an.
Wir wählen Farben, die „professionell“ wirken. Schreiben Texte, die möglichst niemanden stören. Zeigen nur die Seiten von uns, von denen wir glauben, dass sie gut ankommen.
Und irgendwann steht da ein Auftritt, der eigentlich ganz ordentlich aussieht – aber erschreckend wenig mit der Person dahinter zu tun hat.
Genau da wird Personal Branding für mich spannend.
Denn eine starke Personal Brand entsteht nicht dadurch, dass wir uns eine möglichst perfekte Version von uns selbst bauen. Sondern indem wir herausfinden, was uns wirklich ausmacht – und wie viel davon wir bewusst sichtbar machen möchten.
Sie müssen nicht jedem gefallen.
Aber Sie sollten für die richtigen Menschen erkennbar sein.
Und ja: Das braucht manchmal ein bisschen Mut – das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Eine Personal Brand kann man nicht einfach erfinden
Natürlich kann man ein Logo gestalten. Farben auswählen. Schriften definieren. Fotos machen und eine Website bauen.
Aber damit allein entsteht noch keine Personal Brand.
Am Anfang stehen für mich ganz andere Fragen:
Wofür stehen Sie?
Was ist Ihnen wichtig?
Wie möchten Sie mit Ihren Kundinnen und Kunden umgehen?
Was unterscheidet Sie von anderen?
Was möchten Sie bewusst anders machen?
Und vielleicht auch: Was geht Ihnen in Ihrer eigenen Branche gehörig auf die Nerven?
Gerade bei der letzten Frage wird es oft interessant. 😉
Denn dort verstecken sich häufig Werte und Überzeugungen, die viel mehr über ein Unternehmen erzählen als die nächste Liste mit „professionell, zuverlässig und kundenorientiert“.
Genau so habe auch ich ARTbySpiegelfeld Stück für Stück aus der 08/15-Haut geschält – weg vom erwartbaren Agenturauftritt, hin zu einer Marke, die sich wirklich nach mir anfühlt.
Eine Personal Brand muss deshalb nicht erfunden werden.
Sie ist meistens längst da. Wir müssen nur herausfinden, was davon sichtbar werden soll.
Bitte nicht alle Ecken und Kanten abschleifen
Natürlich braucht ein professioneller Auftritt Klarheit und eine gewisse Konsequenz.
Aber professionell bedeutet für mich nicht: möglichst neutral.
Und schon gar nicht: möglichst so aussehen wie alle anderen in derselben Branche.
Wenn Sie humorvoll sind, darf man das merken.
Wenn Sie eine klare Meinung haben, dürfen Sie diese vertreten.
Wenn Sie ungewöhnliche Farben lieben, sollten wir nicht automatisch bei Beige landen, nur weil es gerade schick ist.
Und wenn Sie lieber Klartext reden als Marketingfloskeln produzieren, dann sollte auch Ihre Sprache danach klingen.
Das bedeutet nicht, dass wir jede spontane Idee ungefiltert nach außen tragen. Gestaltung braucht Strategie.
Aber Strategie sollte Persönlichkeit ordnen – nicht ausradieren.
Authentisch heißt nicht: alles privat machen
Bei Personal Branding fällt sehr schnell das Wort Authentizität.
Und ja, natürlich sollte Ihr Auftritt glaubwürdig sein.
Aber daraus ist inzwischen fast ein neuer Zwang entstanden:
Zeigen Sie sich!
Erzählen Sie Privates!
Machen Sie Videos!
Nehmen Sie Ihre Follower überallhin mit!
Nein.
Sie müssen Ihr Frühstück nicht fotografieren, Ihre Familie nicht zeigen und auch nicht jeden Gedanken mit dem Internet teilen, um eine starke Personal Brand aufzubauen.
Persönlich ist nicht dasselbe wie privat.
Sie entscheiden selbst, welche Teile Ihrer Persönlichkeit für Ihr Business relevant sind und welche nur Ihnen gehören.
Vielleicht zeigen Sie Ihre Haltung.
Ihre Arbeitsweise.
Ihre Geschichte.
Ihren Humor.
Ihre Begeisterung für ein Thema.
Oder auch einmal eine Meinung, mit der nicht jeder übereinstimmt.
Das reicht vollkommen.
Eine gute Personal Brand braucht keine Dauer-Selbstdarstellung. Sie braucht Wiedererkennbarkeit und Glaubwürdigkeit.
Haltung gehört genauso zum Auftritt wie Farbe und Typografie
Wenn wir über Brand Design sprechen, denken viele zuerst an Logo, Farben und Schriften.
Natürlich gehören sie dazu.
Aber Ihr Auftritt entsteht aus viel mehr.
Wie sprechen Sie mit Ihren Kundinnen und Kunden?
Du oder Sie?
Locker oder sachlich?
Wie sehen Ihre Bilder aus?
Wie schreiben Sie?
Wie treten Sie auf Social Media auf?
Wie reagieren Sie, wenn etwas schiefläuft?
Welche Werte sind Ihnen wichtig?
Und wozu sagen Sie ganz bewusst Nein?
All diese Dinge prägen, wie Menschen Sie und Ihr Unternehmen wahrnehmen.
Deshalb sollte sich eine Personal Brand nicht nur auf Instagram oder auf der Website gut machen.
Sie muss im Alltag funktionieren.
Wenn Ihre Website locker und persönlich klingt, Sie im Gespräch aber völlig anders auftreten, stimmt etwas nicht.
Wenn Nachhaltigkeit groß auf der Website steht, im Unternehmen aber keine Rolle spielt, wird es schwierig.
Eine Personal Brand funktioniert dann am besten, wenn Gestaltung, Kommunikation und tatsächliches Handeln zusammenpassen -auch wenn es nicht nach jedermanns Geschmack ist.
Und was ist mit der Zielgruppe?
Jetzt könnte man natürlich sagen:
„Schön und gut. Aber mein Auftritt muss doch meiner Zielgruppe gefallen.“
Natürlich.
Wir gestalten schließlich nicht im luftleeren Raum.
Ihre Zielgruppe, Ihre Branche, Ihre Ziele und Ihr Angebot müssen genauso berücksichtigt werden.
Aber daraus sollte keine Verkleidung werden.
Wenn Ihre Zielgruppe angeblich Blau mag, müssen Sie deshalb nicht plötzlich Blau lieben.
Und nur weil alle Mitbewerber einer Branche gleich aussehen, heißt das nicht, dass Sie sich danebenstellen und mitmachen müssen.
Die eigentliche Aufgabe besteht darin, Ihre Persönlichkeit, Ihr Unternehmen und die Menschen, die Sie erreichen möchten, zusammenzubringen.
Manchmal bedeutet das auch, eine Idee zu hinterfragen.
Manchmal müssen wir etwas reduzieren.
Und manchmal sage ich vielleicht: „Das würde ich so nicht machen.“
Aber am Ende muss der Auftritt immer noch Ihrer sein.
Nicht meiner.
Nicht der Ihrer Konkurrenz.
Und auch nicht der, von dem irgendjemand behauptet, dass „man das heute eben so macht“.
Ihre Geschichte gehört dazu – aber nicht Ihre ganze Biografie
Auch die eigene Geschichte kann ein wichtiger Teil einer Personal Brand sein.
Warum machen Sie das, was Sie heute machen?
Welche Erfahrungen haben Sie geprägt?
Gab es einen Umweg, der sich im Nachhinein als wichtig herausgestellt hat?
Warum arbeiten Sie heute auf eine bestimmte Art?
Solche Geschichten machen Menschen greifbar.
Aber bitte verwechseln Sie das nicht mit einem Lebenslauf in Romanlänge.
Niemand muss alles über Sie wissen.
Wählen Sie die Teile Ihrer Geschichte aus, die erklären, wer Sie heute sind, wofür Sie stehen und warum Sie so arbeiten, wie Sie arbeiten.
Storytelling selbst ist übrigens noch einmal ein ganz eigenes Thema. Das bekommt einen eigenen Artikel – sonst wird aus diesem hier doch noch ein halbes Buch. 😉

Nicht jeder muss Sie mögen
Das ist wahrscheinlich der Punkt, mit dem wir uns am schwersten tun. Ich erlebe das immer wieder in der Agentur.
Sobald wir mit unserer Persönlichkeit sichtbar werden, geben wir anderen Menschen die Möglichkeit, uns gut zu finden.
Oder eben nicht.
Ein neutraler Auftritt ist da viel sicherer.
Er bietet wenig Angriffsfläche.
Leider bietet er oft auch wenig Grund, sich an ihn zu erinnern.
Eine klare Personal Brand darf deshalb durchaus Menschen ausschließen.
Nicht absichtlich und schon gar nicht unhöflich.
Aber wenn jemand Ihre Art, Ihre Werte oder Ihre Arbeitsweise überhaupt nicht mag, wäre eine Zusammenarbeit vermutlich ohnehin für beide Seiten mühsam.
Ihre Marke muss nicht jedem gefallen. Sie sollte die richtigen Menschen erreichen.
Wie ich eine Personal Brand entwickle
Wenn ich mit Kundinnen und Kunden an ihrem persönlichen Markenauftritt arbeite, beginne ich deshalb nicht mit der Frage:
„Welche Farbe möchten Sie?“
Wir beginnen viel früher.
Wir sprechen darüber, wer Sie sind, was Ihr Unternehmen ausmacht, wen Sie erreichen möchten und wohin Sie sich entwickeln wollen.
Dabei achte ich nicht nur auf das, was Sie mir erzählen. Ich schaue mir auch an, wie Sie auftreten, wie Ihre Räume wirken, welche Details Ihnen wichtig sind und welchen ersten Eindruck ich bei unserem Kennenlernen bekomme.
Denn oft steckt genau dort schon sehr viel von dem, was Ihren späteren Auftritt unverwechselbar machen kann
Wir sortieren Gedanken, hinterfragen Gewohntes und schauen auch darauf, was sich für Sie eben nicht richtig anfühlt.
Erst daraus entwickeln sich Sprache, Farben, Typografie, Bildwelt und die weiteren Gestaltungselemente.
Denn ich möchte Ihnen keine Persönlichkeit designen.
Ich möchte einen Auftritt entwickeln, in dem Ihre Persönlichkeit sichtbar werden kann.
Mein Fazit: Lassen Sie den Weichspüler weg
Sie müssen sich nicht in eine Business-Schablone pressen lassen.
Sie brauchen auch keine künstliche Version Ihrer selbst, die auf LinkedIn professionell, auf Instagram locker und auf der Website plötzlich völlig austauschbar klingt.
Ein guter persönlicher Markenauftritt darf Haltung haben.
Er darf Charakter haben.
Er darf auch einmal überraschen.
Und ja – er darf Ecken und Kanten haben.
Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst vielen Menschen zu gefallen.
Es geht darum, von den richtigen Menschen erkannt zu werden.
