Ich brauch ja nur schnell ein Logo!“ – Warum Geiz bei der Identität teuer wird.

Ich brauche nur schnell ein Logo.“ Kann funktionieren – wenn es bewusst entschieden wird. Warum nicht günstig, sondern gedankenloses Branding später teuer werden kann.

Hand aufs Herz: Sie haben eine Vision. Sie brennen für Ihr Business. Sie wollen den Markt aufmischen, Kunden begeistern und – ganz wichtig – für Ihre Leistung angemessen bezahlt werden.

Und dann fällt im Erstgespräch dieser eine Satz, bei dem sich bei mir innerlich bereits etwas zusammenzieht:


„Ach, Frau Spiegelfeld, ich brauche eigentlich nur schnell ein Logo. Irgendwas Simples. Darf halt nicht viel kosten.“

Nun ja.

Einfach darf es gerne sein.

Schnell vielleicht auch.

Aber „irgendwas“?

Da wird es schwierig.

Denn wenn Ihr eigener Unternehmensauftritt für Sie selbst nur ein digitales Lückenfüller-Bildchen sein soll, dürfen Sie sich zumindest nicht wundern, wenn er nach außen genau so wirkt.

Ein Logo ist kein Bildchen für links oben

Es muss nicht spektakulär sein. Aber es sollte einen Grund haben, warum es genau so aussieht.

Ein Logo ist nicht das nette Extra, damit die Website oben links nicht so leer aussieht.

Es ist ein sichtbarer Teil Ihrer Marke.

Es begegnet Menschen auf Ihrer Website, auf Visitenkarten, Angeboten, Social Media, Schildern, Fahrzeugen oder Produkten.

Und nein: Ein gutes Logo muss nicht kompliziert sein.

Es braucht keine drei Symbole, keinen Goldverlauf und schon gar keinen Adler, der gleichzeitig einen Berg, eine Glühbirne und Ihre Initialen darstellt.

Manchmal ist eine sehr reduzierte Wortmarke die beste Lösung.

Aber auch Reduktion ist eine Entscheidung.

„Einfach“ und „beliebig“ sind nämlich zwei völlig verschiedene Dinge.

Das Problem ist nicht günstig

Das Problem beginnt bei „Ist mir eigentlich egal – Hauptsache irgendwas.“

Ich verstehe vollkommen, dass man gerade am Anfang einer Selbständigkeit auf Geld schaut.

Man hat genug Ausgaben.

Software. Versicherungen. Ausstattung. Website. Drucksorten. Vielleicht ein Büro. Und irgendwo dazwischen möchte das Finanzamt auch noch Aufmerksamkeit.

Natürlich muss nicht jedes neue Unternehmen sofort Tausende Euro in einen kompletten Markenauftritt investieren.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen:

„Mein Budget ist momentan begrenzt. Wie können wir trotzdem eine vernünftige Basis schaffen?“

und:

„Machen Sie einfach irgendwas, Hauptsache billig.“

Der erste Satz ist wirtschaftlich vernünftig.

Beim zweiten wird es schwierig.

Denn damit wird nicht nur beim Preis gespart – sondern häufig auch beim Nachdenken.

Ein günstiges Logo kann funktionieren

Wenn Sie bewusst wissen, was Sie gerade brauchen.

Das möchte ich ausdrücklich dazusagen.

Nicht jedes Unternehmen braucht zum Start sofort einen riesigen Branding-Prozess.

Wenn Sie gerade erst testen, ob ein Geschäftsmodell funktioniert, kann eine einfache, saubere Übergangslösung vollkommen sinnvoll sein.

Vielleicht genügt zunächst eine gute Wortmarke.

Vielleicht starten Sie bewusst reduziert und entwickeln Ihren Auftritt später weiter.

Vielleicht gestalten Sie sogar selbst.

Alles legitim.

Wichtig ist nur, dass die Entscheidung bewusst getroffen wird.

Problematisch wird es dann, wenn eine schnelle Zwischenlösung fünf Jahre lang zum endgültigen Markenauftritt mutiert – obwohl sie dafür nie gedacht war.

Das passiert übrigens erstaunlich leicht.

„Nur für den Anfang“ besitzt im Business manchmal eine beeindruckend lange Lebensdauer.

Ein schwacher Auftritt beeinflusst mehr als nur das Logo

Beliebigkeit bleibt selten brav in einer Ecke sitzen.

Ein Logo existiert nicht isoliert.

Farben werden daraus abgeleitet.

Schriften kommen dazu.

Visitenkarten werden gestaltet.

Die Website entsteht.

Social-Media-Vorlagen.

Schilder.

Folder.

Angebote.

Plötzlich zieht sich die ursprüngliche Notlösung durch den gesamten Unternehmensauftritt.

Und irgendwann schaut man darauf und denkt:

Eigentlich passt davon überhaupt nichts mehr zu dem Unternehmen, das wir heute sind.

Dann beginnt das große Umbauen.

Neues Logo.

Neue Farben.

Neue Schriften.

Neue Drucksorten.

Website anpassen.

Beschilderung ändern.

Dateien austauschen.

Social-Media-Vorlagen neu machen.

Herzlichen Glückwunsch: Aus „Ich spare mir am Anfang ein bisschen Geld“ wurde ein ziemlich kostspieliger Umweg.

„Nur schnell“ ist manchmal erstaunlich teuer

Wer heute Zeit spart, kann morgen alles doppelt machen.

Das ist eigentlich die Ironie an der Sache. Und die Ironie zieht sich durch unser gesamtes Leben, durch unseren Alltag.

Beim Branding wird gerne dort gespart, wo die Entscheidung später besonders viele andere Dinge beeinflusst.

Das Logo für 49 Euro.

Dann die Website.

Dann merkt man, dass die Farben eigentlich nicht funktionieren.

Also neue Farben.

Dann passen die Drucksorten nicht mehr.

Dann wird das Logo doch noch einmal geändert.

Und zwei Jahre später macht man alles von vorne.

Natürlich passiert das nicht automatisch jedem Unternehmen.

Aber wenn Sie schon zu Beginn wissen, dass Ihr Business langfristig aufgebaut werden soll, lohnt sich ein bisschen mehr Nachdenken meistens sehr.

Nicht zwingend mehr Schnickschnack.

Mehr Klarheit.

Ein Generator kennt Ihr Unternehmen nicht

Er produziert Möglichkeiten. Beurteilen müssen Sie sie trotzdem selbst.

Heute können Sie sich innerhalb weniger Minuten Logos generieren lassen.

Mit KI.

Mit Canva.

Mit Logo-Generatoren.

Mit Templates.

Und manches davon sieht auf den ersten Blick sogar erstaunlich ordentlich aus.

Das Problem ist nicht das Werkzeug.

Das Problem ist dieselbe Frage wie bei KI generell:

Können Sie beurteilen, ob das Ergebnis wirklich gut für Ihr Unternehmen ist?

Passt es zu Ihrer Positionierung – und haben Sie diese überhaupt schon klar definiert?

Passt es zu Ihrer Zielgruppe – und wissen Sie wirklich, wen Sie damit ansprechen möchten?

Passt es zu Ihrem Angebot – nicht nur zu dem, was Sie heute verkaufen, sondern auch zu dem, wofür Ihr Unternehmen künftig stehen soll?

Passt die Wirkung zu dem Eindruck, den Sie vermitteln möchten?

Oder gefällt Ihnen das Logo einfach nur, weil die Farbe hübsch ist und das Symbol irgendwie nett aussieht?

Genau hier liegt häufig das eigentliche Problem.

Bevor Sie beurteilen können, ob ein Logo „gut“ ist, brauchen Sie Kriterien. Und diese Kriterien kommen nicht aus dem Logo-Generator.

Sie kommen aus Ihrem Unternehmen:

Positionierung. Zielgruppe. Angebot. Werte. Persönlichkeit. gewünschte Wirkung.

Wenn diese Punkte nicht klar sind, können Sie sich zwar zehn Logos generieren lassen – Sie entscheiden am Ende aber hauptsächlich nach Geschmack.

Und Geschmack allein ist noch keine Markenstrategie.

Ist es ausreichend eigenständig?

Funktioniert es klein genauso wie groß?

Lässt es sich sauber auf unterschiedlichen Medien verwenden?

Passt die Typografie?

Und vor allem:

Erzählt dieser Auftritt tatsächlich etwas über Ihr Unternehmen – oder könnte derselbe Entwurf morgen genauso gut einer Kosmetikerin, einem Unternehmensberater und einem Café gehören?

Genau da endet irgendwann der Komfort des schnellen Generators.

Ein Steuerberater darf anders aussehen als eine Floristin

Gestaltung ist keine Dekoration. Sie erzeugt eine bestimmte Wirkung.

Gestaltung hat eine Aufgabe.

Ein Steuerberater darf anders wirken als eine Floristin.

Eine Physiotherapiepraxis anders als ein CNC-Unternehmen.

Ein kleines Atelier anders als ein internationaler Industriebetrieb.

Natürlich gibt es keine Vorschrift, dass bestimmte Branchen bestimmte Farben oder Schriften verwenden müssen.

Bitte nicht.

Aber Gestaltung erzeugt Wirkung.

Sachlich oder verspielt.

Hochwertig oder unkompliziert.

Traditionell oder modern.

Persönlich oder distanziert.

Ein guter Markenauftritt entscheidet bewusst, welche dieser Wirkungen zum Unternehmen passen.

Ein Zufallslogo tut das eher selten.

Ohne Fundament bleibt nur die hübsche Fassade

Und hübsche Fassaden lösen erstaunlich wenige strategische Probleme.

Deshalb beginne ich beim Brand Design nicht mit:

„Welche Farbe gefällt Ihnen?“

Ich möchte zuerst wissen:

Was machen Sie?

Für wen?

Was unterscheidet Sie?

Wie möchten Sie wahrgenommen werden?

Wo möchten Sie mit Ihrem Unternehmen hin?

Was soll Ihr Auftritt vermitteln?

Erst danach wird Gestaltung interessant.

Denn ein Logo soll nicht einfach nur hübsch sein.

Es soll Teil eines Auftritts werden, der zusammenpasst.

Logo.

Farben.

Schriften.

Bildsprache.

Website.

Drucksorten.

Sprache.

Alles muss nicht spektakulär sein.

Aber es sollte dieselbe Geschichte erzählen.

Mein ehrlicher Rat

Sparen dürfen Sie. Aber bitte mit Plan.

Ich werde Ihnen sicher nicht erzählen, dass jedes Unternehmen sofort einen riesigen Markenprozess buchen muss.

Manchmal ist klein anfangen genau richtig.

Aber wenn Sie bereits wissen, dass Sie dieses Unternehmen ernsthaft aufbauen möchten, dann behandeln Sie seinen Auftritt bitte auch entsprechend.

Sie müssen nicht das teuerste Logo der Welt haben.

Sie brauchen keinen Designpreis.

Und Sie brauchen schon gar keinen goldenen Schnörkel, nur damit es „hochwertig“ aussieht.

Sie brauchen eine Basis, die zu Ihrem Unternehmen passt und auf der Sie weiterbauen können.

Denn „günstig“ ist nicht das Problem.

„Irgendwas wird schon reichen“ ist meistens das Problem.

Und erstaunlich oft wird genau dieses „Irgendwas“ später ziemlich teuer.

Sie brauchen nicht einfach nur ein Logo?

Gut.

Dann schauen wir zuerst darauf, was Ihr Unternehmen überhaupt sichtbar machen soll.


Beim Brand Design entwickle ich mit Ihnen eine klare gestalterische Basis aus Logo, Farben, Schriften und den Elementen, die Ihr Auftritt tatsächlich braucht.

Nicht größer als notwendig.


Aber durchdacht genug, damit Sie nicht nach einem Jahr wieder von vorne anfangen müssen.

Blog-Autorin Manuela Spiegelfeld
AUTORIN Manuela Spiegelfeld

Gründerin von ARTbySpiegelfeld.
Ich schreibe über Gestaltung, Webdesign, Sichtbarkeit und das, was mir im Business-Alltag sonst noch begegnet.

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