Zwischen genialer Content-Idee und „Was wollte ich da eigentlich posten?“
Kennen Sie das?
Beim Autofahren fällt Ihnen ein guter Beitrag ein.
Beim Kundengespräch der nächste.
Dann lesen Sie etwas und denken:
Darüber könnte ich eigentlich auch einmal schreiben.
Drei Tage später wissen Sie noch, dass Sie eine großartige Idee hatten.
Nur leider nicht mehr welche.
Ich kenne das ausgesprochen gut.
Meine Content-Ideen waren lange überall.
Auf Zetteln.
In Notizen am Handy.
Irgendwo auf dem Rechner.
In einem Notizbuch.
Und besonders zuverlässig:
in meinem Kopf.
Dort waren sie allerdings meistens genau dann nicht auffindbar, wenn ich tatsächlich etwas posten wollte.
Ich habe erstaunlich lange nach dem perfekten Tool gesucht
Dabei brauchte ich eigentlich nur einen Ort für meine Ideen.
Während meiner Ausbildung zur Social Media Managerin habe ich natürlich auch verschiedene Möglichkeiten zur Contentplanung kennengelernt.
Und später ausprobiert.
Tools mit Kalendern.
Freigaben.
Automatisierungen.
Auswertungen.
Drag-and-drop.
Und vermutlich Funktionen, deren Sinn ich bis heute nicht verstanden habe.
Für größere Teams kann so etwas großartig sein.
Wenn mehrere Menschen Inhalte planen, freigeben und veröffentlichen müssen, braucht es natürlich entsprechende Strukturen.
Aber für mich selbst?
Ich wollte eigentlich nur wissen:
Was möchte ich posten?
Wann ungefähr?
Ist es schon fertig?
Und:
Wo habe ich verdammt noch einmal das Bild dazu gespeichert?
Dafür brauche ich kein Agenturtool mit Monatsabo.
Am Ende landete ich ausgerechnet bei Excel
Unspektakulär. Aber erstaunlich praktisch.
Irgendwann begann ich, meine Inhalte einfach in einer Excel-Liste zu sammeln.
Keine Revolution.
Kein neues Social-Media-System.
Einfach eine Tabelle.
Und genau das funktioniert für mich.
Ich kann Ideen sofort hineinschreiben.
Später sortieren.
Themen verschieben.
Notieren, ob etwas bereits geschrieben oder veröffentlicht wurde.
Und wenn ich einmal keine Idee habe, sitze ich nicht vor einem leeren Instagram-Feld und denke:
„Na wunderbar. Und jetzt?“
Ich schaue einfach in meine Liste.
Meistens wartet dort ohnehin mehr, als ich jemals veröffentlichen kann.
Ich habe übrigens auch heute noch nicht alles digital gelöst.
Wenn ich unterwegs bin, habe ich fast immer etwas zum Schreiben dabei. Wenn nicht ohnehin mein Kalender mitkommt, steckt zumindest ein kleines Notizbuch samt Stift in meiner Tasche.
Denn die besten Ideen halten sich erstaunlich selten an Bürozeiten.
Sie kommen beim Kaffee.
Beim Warten.
Beim Spazierengehen.
Oder genau dann, wenn der Rechner weit weg ist.
Dann schreibe ich sie einfach kurz auf.
Später wandern sie in meine Excel-Liste und bekommen dort ihren Platz.
Altmodisch? Vielleicht ein bisschen. Funktioniert aber hervorragend.
Der wichtigste Teil eines Redaktionsplans ist nicht das Datum
Sondern die Idee, die Sie darin festhalten.
Das war für mich eine wichtige Erkenntnis.
Ein perfekter Kalender hilft wenig, wenn darin nichts Interessantes steht.
Deshalb sammle ich zuerst Themen.
Zum Beispiel:
eine Frage aus einem Kundengespräch,
eine Beobachtung aus meinem Arbeitsalltag,
ein abgeschlossenes Projekt,
etwas, worüber ich mich geärgert habe,
eine häufige Fehlannahme,
einen Blogartikel,
ein Detail hinter den Kulissen,
oder eine Sache, die ich einem Kunden gerade zum dritten Mal erklärt habe.
Das sind oft die besten Inhalte.
Nicht:
„Am Donnerstag brauche ich laut Contentplan einen Mehrwert-Post.“
Allein bei diesem Satz vergeht mir schon ein bisschen die Lust.
Ein Plan darf Orientierung geben – aber bitte kein schlechtes Gewissen
Sonst haben wir aus Social Media nur die nächste Pflichtveranstaltung gemacht.
Ich plane gerne voraus.
Aber ich möchte mich nicht zum Sklaven meines eigenen Redaktionskalenders machen, in dem Sog war ich schon mal.
Wenn dort für Dienstag ein Beitrag steht und am Montag etwas viel Interessanteres passiert, darf ich den Plan ändern.
Wenn eine Woche ohnehin schon voll ist, geht die Welt nicht unter, weil ich nichts poste.
Und wenn eine Idee heute großartig klingt und zwei Monate später ziemlich langweilig:
Dann fliegt sie wieder raus.
Ein Redaktionsplan soll mir Arbeit abnehmen.
Nicht zusätzliche Arbeit verursachen.
Das klingt selbstverständlich.
Ist es erstaunlich oft nicht.
Nutzen Sie Inhalte ruhig mehrmals
Sie müssen nicht für jeden Kanal das Rad neu erfinden.
Ein Punkt, der meine Planung wesentlich entspannter gemacht hat:
Ein Thema ist nicht automatisch nur ein Beitrag.
Aus einem Blogartikel kann ein kurzer Social-Media-Post entstehen.
Aus einer Kundenfrage vielleicht ein Reel.
Aus einem längeren Beitrag mehrere kleine Gedanken.
Aus einem Projekt ein Blick hinter die Kulissen.
Und aus einem bestehenden Thema nach einiger Zeit ein völlig neuer Blickwinkel.
Das ist kein faules Recycling.
Menschen sehen ohnehin nicht jeden Inhalt, den Sie veröffentlichen, oder vergessen diesen schnell wieder.
Und gute Themen dürfen wiederkommen.
Ich erzähle schließlich meinen Kunden auch nicht nur einmal im Leben, warum eine Website gepflegt werden sollte, und schweige danach für immer dazu.
Und was ist mit automatischer Content-Produktion durch KI?
Praktisch? Ja. Aber bitte nicht auf Kosten Ihrer Persönlichkeit.
Natürlich könnte man die Sache inzwischen noch viel effizienter machen.
Ein KI-Tool mit ein paar Informationen über das Unternehmen füttern, einen Monatsplan erstellen lassen und anschließend gleich 20 oder 30 Social-Media-Posts produzieren.
Technisch beeindruckend.
Und für manche Aufgaben durchaus praktisch.
Ich nutze KI schließlich selbst.
Zum Sortieren von Gedanken.
Zum Strukturieren.
Zum Überarbeiten.
Oder wenn ich aus einer Idee schneller etwas Brauchbares machen möchte.
Was ich allerdings nicht möchte:
meine komplette Kommunikation automatisch produzieren lassen.
Denn genau dann passiert für mich häufig das, was ich bei Social Media ohnehin schon langweilig finde.
Die Texte sind korrekt.
Sauber aufgebaut.
Vielleicht sogar ausgesprochen professionell.
Und trotzdem könnte derselbe Beitrag genauso gut von fünfzig anderen Unternehmen stammen.
Alles klingt ein bisschen:
„Wir freuen uns, Ihnen heute fünf wertvolle Tipps zu präsentieren …“
Vielen Dank.
Weitergescrollt.
Gerade bei kleinen Unternehmen und Personenmarken ist doch ein großer Vorteil, dass ein echter Mensch dahintersteht.
Mit einer eigenen Art zu sprechen.
Mit Erfahrungen.
Meinungen.
Eigenheiten.
Und manchmal auch einem Satz, den eine KI vermutlich etwas höflicher formuliert hätte.
Genau das möchte ich nicht wegautomatisieren.
Lieber weniger – dafür wirklich von Ihnen
Ich glaube nicht, dass ein kleines Unternehmen ständig posten muss, nur damit irgendein Redaktionsplan vollständig ausgefüllt ist.
Wenn die Wahl lautet:
fünf automatisch erzeugte Beiträge pro Woche
oder
ein wirklich guter Beitrag, in dem man Sie erkennt,
nehme ich persönlich den einen.
Immer.
KI kann dabei helfen.
Sie kann einen Rohtext strukturieren.
Ideen weiterentwickeln.
Überschriften vorschlagen.
Oder aus einem längeren Text kleinere Formate ableiten.
Aber die Frage sollte am Ende immer sein:
„Klingt das noch nach mir?“
Wenn nicht, würde ich weiterarbeiten.
Oder den Beitrag eben nicht veröffentlichen.
Denn Social Media braucht meiner Meinung nach nicht noch mehr Content.
Es braucht mehr Inhalte, bei denen man merkt, dass jemand tatsächlich etwas zu sagen hatte.
Meine Excel-Liste muss deshalb gar nicht besonders kompliziert sein
Je einfacher sie ist, desto eher benutze ich sie auch.
Für meine eigene Planung brauche ich vor allem einen schnellen Überblick:
Was ist die Idee?
Für welchen Kanal könnte sie passen?
Wann möchte ich sie ungefähr verwenden?
Was brauche ich dafür noch?
Ist der Inhalt bereits fertig?
Mehr muss ein einfaches System für mich zunächst gar nicht können.
Denn das beste Planungstool ist nicht das mit den meisten Funktionen.
Es ist das, das Sie tatsächlich verwenden.
Und dann kommt leider noch der schwierigste Schritt
Irgendwann muss man den Beitrag tatsächlich machen.
Auch die schönste Excel-Liste schreibt keinen Text.
Sie fotografiert nichts.
Sie dreht kein Video.
Und sie drückt auch nicht auf „Veröffentlichen“.
Schade.
Damit wäre meine Lösung nahezu perfekt.
Aber die Liste nimmt mir zumindest dieses:
„Was soll ich bloß posten?“
Und manchmal ist genau das schon die größte Hürde.
Mein Fazit: Machen Sie Ihre Contentplanung nicht komplizierter als nötig
Sie brauchen nicht automatisch ein teures Planungstool.
Sie brauchen auch keinen bis ins letzte Detail durchgetakteten Jahresplan.
Manchmal genügt eine einfache Liste, in der Ihre Ideen einen festen Platz bekommen.
Sammeln Sie Fragen.
Beobachtungen.
Projekte.
Gedanken.
Dinge, über die Sie ohnehin mit Kunden sprechen.
Und wenn daraus später ein Beitrag wird:
wunderbar.
Wenn nicht:
Dann wartet die Idee eben noch ein bisschen.
Contentplanung soll Ihnen den Kopf freimachen – nicht ihn noch voller machen.