Weil Persönlichkeit sich erstaunlich schlecht per Briefing verschicken lässt.
In den ersten Jahren meiner Agentur habe ich regelmäßig Social-Media-Posts für Kundinnen und Kunden erstellt.
Texte.
Vorlagen.
Ideen.
Redaktionspläne.
Eigentlich das klassische Rundum-sorglos-Paket.
Die Idee dahinter war durchaus logisch und gängige Praxis in Agenturen:
Meine Kundinnen und Kunden haben wenig Zeit, Social Media soll trotzdem laufen – also übernehme ich es.
Mit der Zeit habe ich allerdings gemerkt:
Gerade bei Einzel- und Kleinunternehmen funktioniert dieses Modell für mich nicht besonders gut.
Nicht, weil man Social Media grundsätzlich nicht auslagern kann.
Große Unternehmen tun das ständig.
Aber wenn die Person hinter dem Unternehmen gleichzeitig ein wichtiger Teil der Marke ist, wird es komplizierter.
Denn irgendwann soll ich nicht nur einen Text schreiben.
Ich soll wie dieser Mensch klingen.
Und genau das lässt sich erstaunlich schwer outsourcen.
Ein guter Post braucht mehr als ein Thema
Er braucht Ihre Art, darüber zu sprechen.
Natürlich kann ich für jemanden einen fachlich richtigen Beitrag schreiben.
Ich kann recherchieren.
Strukturieren.
Eine Überschrift formulieren.
Call-to-Actions setzen.
Und dafür sorgen, dass der Text ordentlich klingt.
Aber Social Media lebt bei kleinen Unternehmen häufig von etwas anderem:
Wie denken Sie?
Was finden Sie wichtig?
Was würden Sie genauso niemals sagen?
Worüber können Sie sich herrlich aufregen?
Welche Formulierungen benutzen Sie tatsächlich?
Und genau dort beginnt die Schwierigkeit.
Ein Text kann professionell sein und trotzdem nicht nach Ihnen klingen.
Dann kommt die erste Abstimmungsrunde.
„Das würde ich so nicht sagen.“
Dann die zweite.
„Ein bisschen lockerer.“
Dann wieder zurück.
„Jetzt ist es mir zu locker.“
Und irgendwann sitzen beide Seiten da und denken:
Eigentlich hätten wir den Post inzwischen dreimal selbst schreiben können.
Gerade bei Einzelunternehmen ist die Person Teil der Marke
Und die möchte ich nicht durch einen Agenturtext ersetzen.
Wenn Sie ein kleines Unternehmen führen, kaufen Menschen häufig nicht nur eine Leistung.
Sie entscheiden sich auch für die Person dahinter.
Für Ihre Haltung.
Ihre Art zu arbeiten.
Ihre Erfahrung.
Ihre Persönlichkeit.
Deshalb finde ich es schwierig, wenn ein Social-Media-Auftritt plötzlich nach einer vollkommen anderen Person klingt.
Natürlich darf man sich beim Schreiben helfen lassen.
Auch ich lasse Texte gegenlesen, bespreche Ideen und hole mir Feedback.
Aber die Gedanken und die Haltung sollten für mich weiterhin von der Person kommen, die später auch hinter dem Unternehmen steht.
Sonst passiert etwas Eigenartiges:
Auf Social Media lernen die Menschen eine sorgfältig formulierte Agenturversion von Ihnen kennen.
Und im Erstgespräch treffen sie plötzlich einen ganz anderen Menschen.
Das muss nicht dramatisch sein.
Aber besonders authentisch finde ich es auch nicht – und gerade das ist wichtig.
Und dann wollte ich meine eigenen Posts auslagern
Da bekam ich meine eigene Theorie ziemlich deutlich vorgeführt.
Das Beste an dieser Geschichte ist:
Ich habe irgendwann genau das gemacht, was ich heute meinen Kundinnen und Kunden nicht mehr unbedingt empfehlen würde.
Ich dachte:
Ich gebe meine eigenen Social-Media-Posts einfach ab.
Denn ich gebe offen zu:
Social Media war lange nicht gerade meine große Leidenschaft (und ist es immer noch nicht).
Hier weiter zu meinem Artikel: Auch so ein Social Media Muffel?
Ich wusste, wie es funktioniert.
Aber meine Kundenprojekte waren mir meistens wichtiger.
Oder Weiterbildung.
Oder meine Website.
Oder eigentlich fast alles andere.
Auf meinen eigenen Kanälen passierte dementsprechend nicht besonders viel.
Und irgendwann dachte ich:
Jetzt hole ich mir Unterstützung.
Eine befreundete Social-Media-Expertin sollte mir das Thema abnehmen.
Perfekt.
Dachte ich.
Auslagern bedeutet leider trotzdem mitarbeiten
Irgendjemand muss schließlich erklären, was erzählt werden soll.
Dann begann ich Material zusammenzusuchen.
Fotos.
Projekte.
Informationen.
Gedanken.
Was möchte ich zeigen?
Was möchte ich nicht zeigen?
Welche Themen passen zu mir?
Wie würde ich das formulieren?
Welche Aussage ist mir wichtig?
Und während ich das alles vorbereitete, stellte ich langsam fest:
Das ist ja auch Arbeit.
Nicht wenig sogar.
Denn natürlich konnte meine Kollegin nicht wissen, was in meinem Kopf herumgeht.
Sie konnte nicht wissen, dass ich mich gerade über irgendeine Marketingaussage geärgert hatte.
Oder dass mir im Kundengespräch ein interessantes Thema begegnet war.
Oder warum ich manche Formulierungen mag und andere überhaupt nicht.
Das musste ich ihr erklären.
Und das Ergebnis war trotzdem nicht ganz ich
Was wahrscheinlich zu einem guten Teil an mir liegt.
Die Beiträge waren nicht schlecht.
Überhaupt nicht.
Aber sie waren eben nicht ganz ich.
Ich bin, was Sprache und Gestaltung betrifft, zugegeben ein wenig eigen.
Das wissen wir inzwischen.
Ich lese einen Text und denke:
Nein. So würde ich das nicht sagen.
Warum?
Kann ich manchmal gar nicht sofort erklären.
Es passt einfach nicht.
Also wurde verändert.
Besprochen.
Noch einmal angepasst.
Und irgendwann kam die Erkenntnis:
Wenn ich sowieso so intensiv daran mitarbeiten muss, kann ich den Inhalt eigentlich auch selbst erstellen.
Das war für mich ein ziemlicher Wendepunkt.
Heute mache ich es genau umgekehrt
Ich erstelle selbst – und hole mir Unterstützung dort, wo sie mir wirklich hilft.
Meine Inhalte entstehen heute bei mir.
Meine Gedanken.
Meine Erfahrungen.
Meine Geschichten.
Meine Meinung.
Aber das bedeutet nicht, dass ich alles allein machen muss.
Ich hole mir durchaus Feedback.
Frage nach einer zweiten Meinung.
Bespreche Ideen.
Lasse mich inspirieren.
Oder brauche jemanden, der mir sagt:
„Manuela, jetzt mach aus diesem Gedanken endlich einen Beitrag.“
Diese Art der Unterstützung finde ich für mich wesentlich hilfreicher.
Denn die Stimme bleibt meine.
Aber ich muss nicht mit jedem Problem allein vor dem Bildschirm sitzen.
Genau so arbeite ich heute auch lieber mit meinen Kunden
Selbermachen – aber nicht alleine.
Deshalb schreibe ich heute nicht mehr einfach komplette Social-Media-Auftritte für Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmer vor.
Ich helfe lieber dabei, ein System zu entwickeln, mit dem sie selbst arbeiten können.
Zum Beispiel:
Welche Themen passen überhaupt zu Ihrem Unternehmen?
Was interessiert Ihre Kundinnen und Kunden?
Welche Inhalte können Sie regelmäßig zeigen?
Welche Formate liegen Ihnen?
Wie können Sie Ideen sammeln?
Wie lässt sich das Ganze in Ihren Alltag integrieren?
Und wie können Sie schreiben, ohne jedes Mal drei Stunden über einem Absatz zu sitzen?
Ich kann mitdenken.
Struktur geben.
Feedback liefern.
Texte gemeinsam überarbeiten.
Oder Ihnen zeigen, wie Sie Ihre eigenen Inhalte einfacher erstellen.
Aber am Ende sollte ich nicht interessanter klingen als Sie.
Schließlich buchen Ihre Kundinnen und Kunden später auch nicht mich.
Muss man Social Media deshalb immer selbst machen?
Nein. Aber man sollte wissen, was man wirklich abgeben möchte.
Natürlich gibt es Unternehmen, für die vollständiges Social-Media-Management hervorragend funktioniert.
Wenn ein größeres Team vorhanden ist, klare Kommunikationsrichtlinien bestehen und regelmäßig Inhalte geliefert werden können, lässt sich sehr viel professionell auslagern.
Auch einzelne Aufgaben können wunderbar abgegeben werden:
Gestaltung
Videoschnitt
Anzeigen
Redaktionsplanung
technische Umsetzung
Veröffentlichung
Analyse
Ich würde deshalb niemals sagen:
„Social Media muss man immer selbst machen.“
Das wäre genauso pauschal wie die Aussage, jedes Unternehmen müsse unbedingt dreimal pro Woche posten.
Für mich lautet die bessere Frage:
Welche Teile brauchen wirklich Ihre persönliche Stimme – und welche können problemlos andere übernehmen?
Persönlichkeit heißt übrigens nicht Privatleben
Sie müssen nicht Ihr Frühstück fotografieren, damit Menschen Sie kennenlernen.
Das ist mir ebenfalls wichtig.
Wenn ich sage, dass Social Media persönlich sein darf, meine ich nicht:
Sie müssen Ihre Familie zeigen.
Ihr Zuhause.
Ihre Freizeit.
Oder jeden privaten Gedanken veröffentlichen.
Ich selbst teile nur ungern sehr private Einblicke.
Und ich halte das auch nicht für notwendig, damit jemand mich als Agentur bucht.
Persönlichkeit kann auch bedeuten:
wie Sie arbeiten.
wie Sie Entscheidungen treffen.
was Ihnen wichtig ist.
was Sie ärgert.
welche Erfahrungen Sie gemacht haben.
welche Haltung Sie zu Ihrem Beruf haben.
Persönlich ist nicht automatisch privat.
Und diese Grenze darf jeder für sich selbst bestimmen.
Mein Fazit: Ihre Stimme darf Ihre bleiben
Ich habe früher Social-Media-Posts für meine Kundinnen und Kunden geschrieben.
Heute tue ich das in dieser Form kaum noch.
Nicht, weil ich Social Media für unwichtig halte.
Sondern weil ich gelernt habe, dass gerade bei kleinen Unternehmen die Persönlichkeit hinter dem Angebot ein Teil der Kommunikation ist.
Und die möchte ich nicht ersetzen.
Ich unterstütze deshalb lieber dabei, einen eigenen Weg zu finden.
Einen, der in den Alltag passt.
Der nicht ständig Stress verursacht.
Und der sich am Ende tatsächlich nach Ihnen anhört.
Denn der perfekte Social-Media-Post bringt wenig, wenn Sie ihn lesen und denken:
„Schön geschrieben. Aber wer soll das eigentlich sein?“
Haben Sie Fragen?
Wenn Sie grundsätzlich wissen, was Sie sagen möchten, aber bei Struktur, Themen oder Umsetzung immer wieder hängen bleiben, können wir genau dort gemeinsam ansetzen.
Nicht, damit ich Ihre Stimme übernehme.
Sondern damit Sie sie leichter selbst einsetzen können.