„Meine Website macht mein Nachbar.“
Diesen Satz habe ich in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Varianten schon öfter gehört.
Manchmal ist es der Nachbar.
Manchmal der Neffe.
Die Freundin.
Ein Arbeitskollege.
Oder jemand, der „sich mit Computern recht gut auskennt“.
Und früher hätte ich vermutlich ziemlich schnell gedacht:
Oh je.
Heute sehe ich das etwas differenzierter.
Vielleicht ist der Nachbar nämlich ein hervorragender Webentwickler.
Vielleicht baut die Freundin seit zehn Jahren Websites.
Vielleicht kennt der Neffe WordPress besser als so manche Agentur.
Dann: wunderbar.
Das Problem ist also nicht, wer Ihre Website macht.
Das Problem beginnt eher bei diesem Satz:
„Der kennt sich ein bisschen aus. Das wird schon reichen. und ist günstig“
Eine Unternehmenswebsite ist eben nicht nur eine hübsche Seite
Zumindest dann nicht, wenn sie für Ihr Unternehmen tatsächlich etwas leisten soll.
Für eine private Hobbyseite?
Probieren Sie aus.
Bauen Sie herum.
Testen Sie verschiedene Systeme.
Im schlimmsten Fall sieht die Seite eben eine Zeit lang etwas seltsam aus.
Bei einer Unternehmenswebsite hängt allerdings mehr daran.
Menschen sollen verstehen, was Sie anbieten.
Sie sollen sich zurechtfinden.
Die Website muss am Handy funktionieren.
Formulare müssen ankommen.
Sie sollte technisch vernünftig aufgebaut sein.
Sie muss zu Ihrem Unternehmen passen.
Und irgendwann möchten Sie vielleicht auch über Google gefunden werden.
Dazu kommen Dinge, die man auf den ersten Blick überhaupt nicht sieht.
Weiterleitungen.
Backups.
Updates.
Performance.
Datenschutz.
Barrierefreiheit.
Sicherheit.
Und plötzlich ist das kleine:
„Wir bauen am Wochenende schnell eine Website.“
doch ein etwas größeres Projekt.
Das Problem sehe ich meistens erst später
Nämlich dann, wenn aus „günstig und schnell“ plötzlich „wir müssen noch einmal anfangen“ wird.
Ich bekomme natürlich nicht die Websites zu sehen, die der Nachbar wunderbar gebaut hat und die seit Jahren problemlos funktionieren.
Warum sollte man mich deswegen auch anrufen?
Bei mir landen naturgemäß eher die anderen Fälle.
Die Website lässt sich nicht mehr vernünftig erweitern.
Niemand weiß, wo die Zugangsdaten sind.
Ein Plugin macht Probleme.
Das verwendete System passt nicht mehr zu den Anforderungen.
Am Handy verrutscht alles.
Oder das Unternehmen hat sich weiterentwickelt – und die Website leider nicht.
Dann kommt irgendwann die Frage:
„Kann man das noch retten?“
Manchmal ja.
Manchmal schaue ich eine Weile hinein und denke:
Wir könnten. Aber wir sollten vielleicht nicht.
Denn auch eine bestehende Website um jeden Preis zu erhalten, ist nicht automatisch die günstigste Lösung.
Der wichtigste Schritt passiert für mich vor dem ersten Klick
Erst verstehen, dann bauen.
Genau das ist wahrscheinlich einer der größten Unterschiede zu meiner eigenen Arbeitsweise von früher.
Ich würde heute nicht mehr mit der Frage beginnen:
WordPress, Wix oder Squarespace?
Sondern:
Was braucht dieses Unternehmen überhaupt?
Was soll die Website können?
Wer soll sie benutzen?
Welche Inhalte werden benötigt?
Wie wird sie später gepflegt?
Möchte der Kunde selbst Änderungen machen?
Braucht es später vielleicht einen Shop, Mehrsprachigkeit, Buchungen oder andere Funktionen?
Was ist bereits vorhanden?
Und – ebenfalls wichtig:
Was braucht es ausdrücklich nicht?
Erst wenn das klarer ist, entscheide ich über das Werkzeug.
Denn ich kann Ihnen natürlich die schönste WordPress-Website der Welt bauen.
Wenn Sie für Ihr Unternehmen eigentlich nur vier Seiten brauchen und alles selbst pflegen möchten, wäre vielleicht ein einfacheres System die vernünftigere Entscheidung.
Nur weil ich etwas bauen kann, heißt das noch lange nicht, dass Sie es brauchen.
„Aber er macht es viel günstiger“
Das kann durchaus sein.
Wenn jemand Ihnen die Website als Gefallen baut, wird eine Agentur beim Preis vermutlich nicht mithalten.
Das ist logisch.
Und dagegen habe ich auch überhaupt nichts.
Nicht jedes Unternehmen hat am Anfang mehrere tausend Euro für eine Website zur Verfügung.
Man kann klein starten.
Man kann mit einem Baukastensystem beginnen.
Man kann vieles selbst machen.
Ich biete schließlich selbst Unterstützung für Menschen an, die ihre Website eigenständig umsetzen möchten.
Mein Rat wäre nur:
Sparen Sie lieber am Umfang als an den Grundlagen.
Eine kleinere, sauber aufgebaute Website ist mir wesentlich lieber als zwölf Seiten, bei denen niemand weiß, warum sie eigentlich existieren.
Und wenn Ihr Nachbar Ihnen eine kleine, vernünftige Website baut und weiß, was er tut:
Perfekt.
Stellen Sie einfach ein paar unbequeme Fragen
Auch wenn derjenige beim nächsten Grillabend neben Ihnen sitzt.
Bevor Sie jemandem Ihre Unternehmenswebsite anvertrauen, würde ich ungefähr dieselben Fragen stellen wie bei einem professionellen Anbieter.
Zum Beispiel:
Welche Websites haben Sie bereits umgesetzt?
Warum würden Sie dieses System empfehlen?
Kann ich später selbst Inhalte ändern?
Wem gehören Domain, Hosting und Website?
Bekomme ich alle notwendigen Zugänge?
Was passiert, wenn etwas nicht funktioniert?
Wer kümmert sich um Updates und Sicherungen?
Was passiert, wenn Sie irgendwann keine Lust mehr darauf haben?
Gerade die letzte Frage ist bei Gefälligkeitsprojekten gar nicht so unwichtig.
Am Anfang macht das gemeinsame Basteln vielleicht sogar Spaß. Doch dann kommt etwas dazwischen, die Zeit fehlt – und plötzlich zieht sich die Website über Monate, weil sie eben „nebenbei“ entsteht.
Bei einer Agentur gibt es einen Auftrag, einen vereinbarten Umfang und ein Ergebnis, das geliefert werden muss. Bei einem Gefallen sieht das naturgemäß anders aus.
Und was passiert danach?
Service, Wartung oder Probleme?
Drei Jahre später hat Ihr Nachbar vielleicht einen neuen Job, zwei Kinder und absolut keine Lust mehr, am Sonntagabend Ihr Kontaktformular zu reparieren.
Kann ich ihm ehrlich gesagt nicht einmal verübeln.
Und ja, Websites müssen heute auch mehr berücksichtigen als früher
Die Anforderungen entwickeln sich weiter.
Datenschutz, Sicherheit und Barrierefreiheit sollte man beim Aufbau einer Website heute von Anfang an mitdenken.
Beim österreichischen Barrierefreiheitsgesetz ist allerdings wichtig, nicht pauschal zu behaupten, jede Unternehmenswebsite müsse seit Juni 2025 zwingend nach denselben Vorgaben barrierefrei sein. Das BaFG gilt für bestimmte Produkte und Dienstleistungen; für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, gibt es beispielsweise eine Ausnahme. Unabhängig von einer gesetzlichen Verpflichtung halte ich gute Lesbarkeit und zugängliche Bedienung ohnehin für vernünftiges Webdesign.
Und genau solche Details zeigen für mich auch, warum ein bisschen Fachwissen nicht schadet.
Nicht um eine Website unnötig kompliziert zu machen.
Sondern damit man weiß, was für das konkrete Projekt tatsächlich relevant ist – und was nicht.
Professionell heißt übrigens auch nicht automatisch gut
Nur damit wir den Spieß nicht zu weit in die andere Richtung drehen.
Auch jemand mit Agenturlogo, schicker Website und professionellem Angebot kann schlechte Arbeit abliefern.
Ein Gewerbeschein macht noch kein gutes Webdesign.
Ein hoher Preis ebenfalls nicht.
Deshalb würde ich genauso wenig sagen:
„Gehen Sie niemals zum Nachbarn.“
wie:
„Bei einer Agentur kann nichts schiefgehen.“
Schauen Sie sich Arbeiten an.
Stellen Sie Fragen.
Lassen Sie sich erklären, warum etwas empfohlen wird.
Und achten Sie darauf, ob jemand versucht zu verstehen, was Sie brauchen – oder einfach immer dieselbe Website an jeden verkauft.
Das wäre für mich wesentlich wichtiger als die Berufsbezeichnung.
Mein Fazit: Ihr Nachbar darf Ihre Website machen
Wirklich.
Ich möchte schließlich keinen Nachbarschaftsstreit auslösen :-).
Wenn er Erfahrung hat, sich mit dem Thema beschäftigt und eine vernünftige Lösung für Ihr Unternehmen entwickeln kann:
Nur zu.
Aber wenn die einzige Qualifikation lautet:
„Er hat schon einmal eine Website gemacht und kennt sich ganz gut mit Computern aus“,
würde ich zumindest noch einmal nachfragen.
Ihre Unternehmenswebsite muss nicht riesig sein.
Nicht teuer.
Nicht technisch überladen.
Und schon gar nicht mit allem ausgestattet, was gerade irgendwo als unverzichtbar verkauft wird.
Aber sie sollte bewusst aufgebaut sein.
Mit einem System, das zu Ihnen passt.
Mit einem Plan.
Und mit jemandem, der auch weiß, warum er etwas so macht.
Und wenn das Ihr Nachbar ist:
Dann lade ich ihn meinetwegen auch zum Rasenmähen wieder aus.
Wie Sie den passenden Webdesigner oder die richtige Agentur für Ihr Projekt finden, lesen Sie in meinem ausführlichen Beitrag „Bevor Sie eine Website beauftragen – lesen Sie diesen Artikel“.

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