Ganz ehrlich?
Ich sehe immer wieder Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich bei der Suche nach einer Webdesignerin oder Agentur komplett verirren.
Und nein – das liegt nicht daran, dass Sie „zu wenig Ahnung“ haben.
Der Markt ist einfach ziemlich unübersichtlich.
Da kostet eine Website 800 Euro, die nächste 3.500 und die dritte 8.000.
Und irgendwann sitzen Sie davor und fragen sich:
Warum eigentlich?
Brauche ich wirklich WordPress?
Reicht ein Baukastensystem?
Was ist bei dem einen Angebot enthalten, was beim anderen nicht?
Brauche ich dieses ominöse SEO-Paket wirklich?
Und woran erkenne ich überhaupt, ob jemand gut arbeitet?
Alles berechtigte Fragen.
Sie müssen schließlich nicht erst ein halbes Informatikstudium absolvieren, bevor Sie eine Website beauftragen dürfen.
Dieser Artikel soll Ihnen deshalb helfen, genauer hinzusehen.
Nicht damit Sie anschließend selbst Webdesignerin oder Entwickler spielen können.
Sondern damit Sie besser erkennen:
Wer denkt wirklich für Ihr Unternehmen mit – und wer verkauft Ihnen einfach das Paket, das gerade im Regal liegt?
Phase 1: Bevor Sie überhaupt Kontakt aufnehmen
Schöne Referenzen sind gut. Entscheidend ist, was dahintersteckt.
Die Suche beginnt meistens bei Google, Empfehlungen oder Social Media.
Und natürlich schauen Sie sich zuerst die bisherigen Arbeiten an.
Das sollten Sie auch.
Aber bitte nicht nur danach, ob Ihnen eine Website spontan gefällt.
Schauen Sie genauer hin.
Sehen alle Websites der Agentur mehr oder weniger gleich aus?
Immer dieselben Farben?
Dieselben Layouts?
Dieselbe Startseite mit ausgetauschtem Foto?
Dann könnte es sein, dass Sie dort weniger individuelle Gestaltung und mehr Fließband bekommen.
Gute Referenzen müssen nicht alle Ihrem persönlichen Geschmack entsprechen.
Im Gegenteil.
Eine Steuerkanzlei darf anders aussehen als eine Floristin. Ein Industriebetrieb anders als eine Physiotherapiepraxis.
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Gefällt mir jede dieser Websites?“
Sondern:
„Passt die jeweilige Website erkennbar zum Unternehmen dahinter?“
Und dann gibt es noch etwas, das in keiner technischen Checkliste steht:
Ihr Bauchgefühl.
Ist Ihnen die Person sympathisch?
Wirkt der eigene Auftritt gepflegt?
Verstehen Sie, was angeboten wird?
Und haben Sie beim Lesen das Gefühl, dass dort Menschen arbeiten, mit denen Sie mehrere Wochen oder Monate verbringen möchten?
Das ist nämlich auch nicht ganz unwichtig.
Phase 2: Die erste Anfrage
Wer sofort ein Paket verkauft, bevor er Ihr Unternehmen kennt, kennt vor allem sein Paket.
Sie haben jemanden gefunden und schicken Ihre Anfrage.
Jetzt wird es interessant.
Bekommen Sie unmittelbar ein Standard-Preisblatt?
„Website S – fünf Seiten.“
„Website M – sieben Seiten.“
„Website Premium Super Deluxe – inklusive SEO-Rakete.“
Obwohl noch niemand weiß, was Sie eigentlich brauchen?
Dann würde ich zumindest nachfragen.
Natürlich darf eine Agentur mit Paketen oder Richtpreisen arbeiten. Das ist sogar angenehm, weil Sie eine erste Orientierung bekommen.
Aber bevor daraus ein konkretes Angebot wird, sollte jemand Ihr Unternehmen kennenlernen.
Eine gute Webdesignerin oder ein guter Webdesigner wird Fragen stellen.
Viele Fragen.
Zum Beispiel:
- Was bieten Sie eigentlich an?
- Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?
- Kennen Sie Ihre Zielgruppe bereits wirklich?
- Was soll die Website für Ihr Unternehmen erreichen?
- Geht es um Information, Anfragen, Verkauf, Buchungen oder etwas anderes?
- Was funktioniert an Ihrer bisherigen Website?
- Was nervt Sie daran?
- Was möchten Sie auf keinen Fall?
- Welche Inhalte sind bereits vorhanden?
- Welche Aufgaben möchten Sie später selbst übernehmen?
- Möchten Sie Technik möglichst vollständig abgeben?
- Welche Entwicklung planen Sie für Ihr Unternehmen?
Wenn diese Fragen niemanden interessieren, wird es schwierig, eine Website zu entwickeln, die wirklich zu Ihrem Unternehmen passt.
Wer nicht fragt, kann nur raten.
Und Raten ist eine erstaunlich teure Grundlage für ein Webprojekt.
Phase 3: Das Beratungsgespräch
Kompetenz zeigt sich nicht daran, wie viele Fremdwörter jemand in 20 Minuten unterbringt.
Spätestens im Beratungsgespräch begegnen Ihnen wahrscheinlich Begriffe wie Hosting, CMS, Responsive Design, SEO, Cache, Plugins, SSL, Tracking und vielleicht noch drei Abkürzungen, die besonders wichtig klingen.
Das gehört teilweise dazu.
Aber Sie sollten danach trotzdem verstehen, worüber gesprochen wurde.
Ein guter Webdesigner, eine gute Webdesignerin oder Agentur kann komplexe Dinge verständlich erklären.
Sie müssen nicht wissen, wie der Server im Hintergrund arbeitet.
Aber Sie sollten wissen:
- was gemacht wird,
- warum es gemacht wird,
- was Sie am Ende erhalten,
- welche Technik eingesetzt wird,
- was Sie später selbst bearbeiten können,
- wer Ihr Ansprechpartner ist,
- welche laufenden Kosten entstehen,
- und womit Sie langfristig rechnen müssen.
Wenn Sie nach einem einstündigen Gespräch weniger verstehen als vorher, war es vielleicht beeindruckend.
Hilfreich war es nicht.
Wie ernst werden Ihre Fragen genommen?
Achten Sie außerdem darauf, wie auf Ihre Fragen reagiert wird.
Werden Bedenken weggelächelt?
Wird Ihnen vermittelt, dass Sie davon sowieso nichts verstehen?
Oder erklärt man Ihnen ruhig, warum etwas sinnvoll ist – oder eben nicht?
Sie müssen nicht bei jeder Entscheidung recht haben.
Die Agentur übrigens auch nicht automatisch.
Eine gute Zusammenarbeit entsteht dort, wo beide Seiten argumentieren können.
Mehr ist nicht automatisch besser
Und bitte seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen plötzlich Dinge verkauft werden, von denen fünf Minuten vorher noch niemand wusste, dass Sie sie brauchen.
Vielleicht benötigen Sie keinen riesigen Onlineshop.
Keine zehn Unterseiten.
Keine komplexe Mitgliederplattform.
Und auch keine „SEO-Rakete“.
Manchmal braucht ein Unternehmen schlicht eine klare, professionelle Website mit fünf guten Seiten.
Ein guter Dienstleister kann Ihnen auch sagen:
„Das brauchen Sie momentan nicht.“
Damit verdient man kurzfristig vielleicht weniger.
Vertrauen dafür umso mehr.
Diese Fragen dürfen Sie stellen
Und zwar ohne das geringste schlechte Gewissen.
Bevor Sie jemanden beauftragen, dürfen Sie fragen:
- Wie läuft ein Website-Projekt bei Ihnen ab?
- Was brauchen Sie von mir?
- Was ist im Angebot enthalten?
- Was ist ausdrücklich nicht enthalten?
- Wer erstellt oder überarbeitet die Texte?
- Wer kümmert sich um Bilder?
- Ist eine SEO-Grundoptimierung enthalten?
- Wie wird das Thema Datenschutz berücksichtigt?
- Kann ich Inhalte später selbst bearbeiten?
- Bekomme ich eine Einschulung?
- Welche laufenden Kosten entstehen?
- Wer kümmert sich um Updates und Wartung?
- Welche Lizenzen oder Plugins werden benötigt?
- Was passiert nach dem Launch?
- Welche Zugänge erhalte ich?
- Auf wen wird die Domain registriert?
- Wie läuft es ab, wenn ich später zu einem anderen Anbieter wechseln möchte?
Wer sauber arbeitet, sollte solche Fragen beantworten können.
Nicht immer innerhalb von drei Sekunden.
Aber verständlich.
Spezial-Check - Wenn die Agentur/der Designer/die Designerin im Ausland sitzt
Entfernung ist kein Problem. Ungeklärte Zuständigkeiten schon.
In einer digitalen Welt ist es doch eigentlich egal, wo die Webdesignerin sitzt.
Theoretisch: ja.
Sie können problemlos mit jemandem arbeiten, der 20, 500 oder 5.000 Kilometer entfernt ist.
Aber bevor Sie einen Auftrag über mehrere Tausend Euro vergeben, würde ich trotzdem ein paar zusätzliche Fragen stellen.
Nicht aus Misstrauen.
Sondern weil „Das klären wir dann schon irgendwie“ bei grenzüberschreitenden Projekten eine erstaunlich schlechte Vertragsklausel ist.
Versteht Ihr Gegenüber Ihren Markt?
Wenn ein persönliches Treffen nicht möglich ist, wird der Video-Call umso wichtiger.
Nicht, weil gute Gestaltung nur bei gemeinsamem Kaffee entstehen könnte.
Sondern weil Sie herausfinden sollten, ob Ihr Gegenüber wirklich versteht, wen Sie erreichen möchten.
Sprache, Tonalität, Erwartungen, Kaufgewohnheiten und gestalterische Wahrnehmung können sich je nach Markt unterscheiden.
Was für eine bestimmte Zielgruppe hervorragend funktioniert, kann bei einer anderen vollkommen danebenliegen.
Deshalb würde ich nicht nur fragen:
„Können Sie schöne Websites gestalten?“
Sondern auch:
„Verstehen Sie die Menschen, für die diese Website gedacht ist?“
Gerade wenn Texte, Positionierung oder Nutzerführung Teil des Projekts sind, ist das wesentlich wichtiger als die Entfernung in Kilometern.
Welches Recht gilt für den Vertrag?
Hier wird es etwas weniger glamourös.
Aber deutlich wichtiger als die Diskussion darüber, ob der Button nun Bordeaux oder Dunkelgrau werden soll.
Klären Sie vor Vertragsabschluss:
- Welches Recht gilt für den Vertrag?
- Welcher Gerichtsstand wurde vereinbart?
- Wo sitzt Ihr tatsächlicher Vertragspartner?
- Wer stellt die Rechnung?
- Was passiert bei Streitigkeiten?
- Gibt es klare Regelungen zu Nutzungsrechten, Zahlung, Projektabbruch und Gewährleistung?
Gerade bei internationalen Verträgen sollten diese Dinge nicht erst dann entdeckt werden, wenn bereits etwas schiefgelaufen ist.
Innerhalb der EU gibt es dafür rechtliche Rahmenbedingungen.
Bei Vertragspartnern außerhalb der EU können Durchsetzung und Verfahren jedoch deutlich komplizierter werden.
Im Zweifel gilt deshalb auch hier:
Lieber vor der Unterschrift einmal fachkundig nachfragen als danach sehr teuer herausfinden, was im Kleingedruckten gestanden wäre.
Wie funktioniert die Erreichbarkeit?
Eine Zeitverschiebung ist kein Qualitätsproblem.
Sie kann aber ein Organisationsproblem werden.
Wenn Sie laufende Wartung oder Support mitbuchen, sollten Sie deshalb wissen:
- Zu welchen Zeiten ist jemand erreichbar?
- Gibt es definierte Supportzeiten?
- Wie schnell wird auf dringende Probleme reagiert?
- Was gilt überhaupt als Notfall?
- Wer kümmert sich darum, wenn die Website technisch ausfällt?
- Gibt es eine Vertretung?
Wenn Ihre Website Montagvormittag nicht erreichbar ist, hilft Ihnen die wunderschöne Projektabschluss-Präsentation vom letzten Jahr nämlich herzlich wenig.
Wichtig ist allerdings auch:
Nicht jede Webdesignerin übernimmt nach dem Launch automatisch technischen Support.
Deshalb vorher klären – und nicht erst dann, wenn es brennt.
Wo werden Ihre Daten tatsächlich verarbeitet?
Der Standort der Agentur und der Standort Ihrer Daten sind nicht automatisch dasselbe.
Fragen Sie deshalb genauer:
- Wo wird die Website gehostet?
- Welche externen Dienste werden eingesetzt?
- Wer hat Zugriff auf personenbezogene Daten?
- Werden Kundendaten außerhalb des EWR verarbeitet oder übertragen?
- Gibt es gegebenenfalls notwendige Vereinbarungen zur Auftragsverarbeitung?
- Wie werden Drittlandübermittlungen datenschutzrechtlich abgesichert?
Besonders bei Dienstleistern außerhalb des EWR sollte dieser Punkt sauber geklärt werden.
Nicht jede Zusammenarbeit mit einem ausländischen Anbieter ist datenschutzrechtlich problematisch.
Aber „Das wird schon DSGVO-konform sein“ ist leider auch kein Datenschutzkonzept.
Ausland ist weder automatisch besser noch schlechter
Ich würde deshalb auch nicht pauschal sagen:
„Beauftragen Sie lieber jemanden aus Österreich.“
Das wäre Unsinn.
Es gibt hervorragende Agenturen und Designerinnen auf der ganzen Welt.
Genauso wie es ausgesprochen mittelmäßige direkt ums Eck gibt.
Entscheidend ist nicht die Postleitzahl.
Entscheidend ist, ob die Zusammenarbeit für Ihr Projekt funktioniert und die wichtigen Punkte sauber geregelt sind.
Bei einem Anbieter im Ausland würde ich einfach ein paar Fragen mehr stellen:
Verstehen Sie meinen Markt?
Welches Recht gilt?
Wie funktioniert die Kommunikation?
Wie sieht der Support aus?
Wo liegen beziehungsweise wohin fließen meine Daten?
Und was passiert, wenn ich später den Anbieter wechseln möchte?
Kann Ihnen Ihr Gegenüber diese Fragen klar beantworten?
Wunderbar.
Dann können auch 5.000 Kilometer Entfernung vollkommen nebensächlich sein.
Kann es das nicht?
Dann würde ich persönlich auch bei 15 Kilometern Entfernung noch einmal darüber nachdenken.
Phase 4: Das Angebot
Vergleichen Sie Leistungen – nicht nur die Zahl ganz unten.
Jetzt liegt das Angebot vor Ihnen.
Und hier entstehen meiner Erfahrung nach viele Missverständnisse.
Ein Angebot sollte weder aus:
„Website: 4.500 Euro“
bestehen noch aus einem zwölfseitigen Roman, bei dem Sie nach Seite drei nicht mehr wissen, ob Sie gerade eine Website oder einen Kleinwagen finanzieren.
Sie sollten nachvollziehen können, wofür Sie bezahlen.
Achten Sie unter anderem darauf:
- Wie viele Seiten beziehungsweise Seitentypen sind enthalten?
- Wie viele Entwurfs- oder Korrekturrunden sind vorgesehen?
- Sind Struktur und Konzeption Teil des Projekts?
- Werden vorhandene Texte überprüft oder müssen Sie fertige Texte liefern?
- Werden Bilder bearbeitet?
- Ist SEO enthalten – und was versteht der Anbieter darunter?
- Wird die mobile Darstellung berücksichtigt?
- Was ist mit Datenschutz und Cookies?
- Was ist mit Barrierefreiheit?
- Ist eine Einschulung vorgesehen?
- Welche laufenden Kosten entstehen für Hosting, Wartung, Lizenzen oder Plugins?
- Was kostet zusätzliche Arbeit?
- Was passiert nach Fertigstellung?
Vergleichen Sie ruhig mehrere Angebote
Ich empfehle durchaus, zwei oder drei Angebote einzuholen.
Nicht, um anschließend den billigsten Jakob zu wählen.
Sondern um Unterschiede zu erkennen.
Wenn eine Website 1.500 Euro kostet und eine andere 6.000 Euro, muss die Differenz nicht bedeuten, dass einer davon Sie über den Tisch zieht.
Vielleicht unterscheiden sich:
Konzeption.
Textarbeit.
SEO.
Technik.
Individualität.
Projektumfang.
Betreuung.
Support.
Fragen Sie nach.
Vergleichen Sie nicht nur Preise. Vergleichen Sie, was Sie dafür tatsächlich bekommen.
Sonst vergleichen Sie möglicherweise einen Rohbau mit einem bezugsfertigen Haus und wundern sich über die Preisunterschiede.
Ein Punkt, der heute zusätzlich dazugehört: Barrierefreiheit
Nicht jede Website fällt unter dieselben Pflichten – ignorieren sollte man das Thema trotzdem nicht.
Fragen Sie ruhig, ob sich Ihren Webdesigner/Ihre Agentur mit digitaler Barrierefreiheit beschäftigt.
Dabei geht es beispielsweise um:
- ausreichende Kontraste,
- verständliche Strukturen,
- sinnvolle Überschriften,
- Tastaturbedienbarkeit,
- Alternativtexte für relevante Bilder,
- Formulare,
- gut lesbare Inhalte.
Welche rechtlichen Anforderungen für Ihr Unternehmen konkret gelten, hängt unter anderem von Ihrem Unternehmen und Ihrer angebotenen Leistung ab.
Sie müssen deshalb im Erstgespräch keinen Gesetzesvortrag bekommen.
Aber ein professioneller Anbieter sollte das Thema zumindest kennen und nicht überrascht schauen, als hätten Sie gerade nach der Website für den Mars gefragt.
Phase 5: Entwurf und Umsetzung
Eine gute Website ist kein Kunstprojekt der Designerin oder des Designers.
Jetzt wird gestaltet.
Und spätestens hier zeigt sich, ob vorher tatsächlich zugehört wurde.
Natürlich soll Ihnen Ihre Website gefallen.
Sie müssen schließlich damit arbeiten und sich darin wiederfinden.
Aber:
Der Wurm muss bekanntlich dem Fisch schmecken – nicht dem Angler.
Ihre Website richtet sich nicht ausschließlich an Sie.
Sie richtet sich an die Menschen, die Sie erreichen möchten.
Deshalb sollte das Design nicht einfach dem persönlichen Lieblingsstil der Designerin folgen.
Oder Ihrem.
Es sollte zu Ihrem Unternehmen, Ihrer Positionierung, Ihrer Zielgruppe und Ihrem Angebot passen.
Sie dürfen mitreden
Ein professioneller Entwurf wird Ihnen nicht nach dem Prinzip:
„So ist es jetzt. Friss oder stirb.“
vorgelegt.
Sie sollten Fragen stellen und Rückmeldungen geben können.
Ein guter Designer, eine gute Designerin wiederum darf Ihnen widersprechen.
Bitte sogar.
Wenn Sie beispielsweise eine gestalterische Änderung möchten, die Lesbarkeit, Orientierung oder Funktion verschlechtert, sollte man Ihnen erklären, warum man davon abrät.
Nicht:
„Das macht man heute so.“
Sondern:
„Ich würde das aus diesem Grund anders lösen.“
Das ist Beratung.
Gutes Design führt
Eine Website ist nicht besser, weil sich beim Scrollen sieben Elemente drehen, drei Texte hereingeflogen kommen und der Mauszeiger glitzert.
Kann man machen.
Muss man aber nicht.
Gutes Webdesign sorgt dafür, dass Menschen verstehen:
Wo bin ich?
Was bekomme ich hier?
Ist das für mich relevant?
Wo finde ich die Information, die ich brauche?
Was soll ich als Nächstes tun?
Design ist keine Dekoration. Es schafft Orientierung.
Phase 6: Die Website geht online
Jetzt zeigt sich, ob Sie eine Website bekommen haben – oder eine dauerhafte Abhängigkeit.
Die Website ist endlich fertig.
Der Launch ist geschafft.
Sekt auf.
Aber bitte noch nicht alle Unterlagen weglegen.
Denn jetzt kommen die weniger glamourösen Dinge.
Klären Sie Ihre Zugänge
Fragen Sie aller-spätestens jetzt (besser bei Auftragsunterzeichnung):
- Wo liegt meine Domain?
- Auf wen ist sie registriert?
- Wo wird meine Website gehostet?
- Welche Zugänge bekomme ich?
- Welche Zugänge verwaltet die Agentur?
- Welche Lizenzen gehören mir und welche der Agentur?
- Kann die Website exportiert oder übertragen werden?
- Was passiert bei einem Anbieterwechsel?
- Wer besitzt beziehungsweise verwaltet verwendete Bild-, Schrift- oder andere Lizenzrechte?
Nicht jedes Betreuungsmodell funktioniert gleich.
Bei einem Managed-Hosting-Angebot werden Sie beispielsweise möglicherweise nicht denselben technischen Vollzugriff erhalten wie bei einem selbst gebuchten Hostingpaket.
Das ist nicht automatisch unseriös.
Es muss nur vorher klar und nachvollziehbar geregelt sein.
Problematisch wird es dann, wenn niemand Ihnen erklären kann, wie Sie jemals wieder aus der Zusammenarbeit herauskommen.
Einschulung statt Geheimwissenschaft
Wenn Sie Inhalte später selbst ändern möchten, lassen Sie sich zeigen, wie das funktioniert.
Sie müssen keine Entwicklerin werden.
Aber Sie sollten beispielsweise wissen, wie Sie:
- einen Text ändern,
- ein Bild austauschen,
- einen Blogartikel veröffentlichen,
- oder grundlegende Inhalte aktualisieren.
Falls Sie das alles gar nicht selbst machen möchten: ebenfalls wunderbar.
Dann sollte nur klar geregelt sein, wer es übernimmt und was es kostet.
Wartung gehört ebenfalls dazu
Eine Website ist nach dem Launch nicht für alle Ewigkeit eingefroren.
Je nach System gehören Updates, Backups, Sicherheitsmaßnahmen und technische Kontrollen dazu.
Bei manchen Baukastensystemen übernimmt die Plattform einen großen Teil davon.
Bei einer selbst betriebenen WordPress-Website sieht die Sache anders aus.
Deshalb sollte Ihnen bereits vor der Beauftragung erklärt werden:
Was muss später gemacht werden – und wer macht es?
Auch Datenschutz endet nicht mit dem Launch
Wenn auf Ihrer Website beispielsweise Tracking, externe Dienste oder nicht notwendige Cookies eingesetzt werden, muss deren Einsatz datenschutzrechtlich sauber berücksichtigt werden. Die österreichische Datenschutzbehörde weist unter anderem darauf hin, dass nicht notwendige Cookies grundsätzlich erst nach wirksamer Einwilligung gesetzt werden dürfen.
Auch das gehört zu einer professionellen Umsetzung.
Nicht aufregend.
Aber ziemlich wichtig.
Diese Warnsignale würde ich ernst nehmen
Manche roten Fahnen tragen leider sehr hübsches Webdesign.
Ich würde hellhörig werden, wenn:
1. Nur über Optik gesprochen wird.
Aber nie über Zielgruppe, Angebot, Inhalte oder Ziele.
2. Sie ein detailliertes Angebot bekommen, obwohl niemand Ihre Anforderungen kennt.
3. Niemand über laufende Kosten spricht.
4. Auf praktisch jede Frage „kein Problem“ kommt – aber nie eine konkrete Erklärung.
5. Sie sich im Gespräch klein oder dumm fühlen.
6. Druck aufgebaut wird.
„Dieses Angebot gilt aber nur heute“ würde bei mir bei einer Website übrigens eher einen Fluchtreflex auslösen.
7. Ihnen Leistungen verkauft werden, deren Nutzen niemand nachvollziehbar erklären kann.
8. Sie nach Fertigstellung vollständig vom Anbieter abhängig wären und nicht wissen, wie ein Wechsel funktionieren könnte.
9. Themen wie mobile Darstellung, Datenschutz, Wartung oder Barrierefreiheit überhaupt keine Rolle spielen.
10. Niemand widerspricht Ihnen jemals.
Ja, auch das.
Wenn jeder Ihrer Wünsche sofort mit „Super Idee!“ quittiert wird, obwohl Sie gerade möglicherweise die Navigation in hellgrauer 10-Punkt-Schrift auf weißen Hintergrund setzen möchten, bekommen Sie keine Beratung.
Sie bekommen Ausführung.
Das kann gewollt sein.
Man sollte nur wissen, was man kauft.
Mein Fazit
Eine gute Agentur erkennen Sie nicht an den fancysten Begriffen.
Und auch nicht daran, wer am lautesten verspricht, dass Ihre neue Website künftig rund um die Uhr Kunden für Sie „generiert“.
Eine gute Webdesignerin, ein guter Webdesigner oder Webagentur:
hört zu,
fragt nach,
denkt mit,
erklärt verständlich,
arbeitet transparent,
widerspricht auch einmal begründet
und entwickelt eine Lösung, die zu Ihrem Unternehmen passt.
Manchmal ist das eine aufwendige WordPress-Website.
Manchmal ein schlanker Onepager.
Und manchmal ist die ehrlichste Beratung sogar:
„Sie brauchen das momentan noch gar nicht.“
Ihre Website ist keine hübsche Pflichtübung.
Sie ist ein wichtiger Teil Ihres Unternehmensauftritts und häufig einer der ersten Orte, an denen Menschen entscheiden, ob sie Ihnen weiter zuhören möchten.
Deshalb dürfen Sie bei der Auswahl ruhig genauer hinschauen.
Sehr genau sogar.
Beratungsgespräch - unverbindlich natürlich
Sie sind bei einem Angebot unsicher und möchten wissen, ob Umfang, Technik und laufende Kosten wirklich zu Ihrem Projekt passen? Genau solche Fragen können wir auch in einer Beratung gemeinsam durchgehen.
