Reichweite auf Social Media: Mehr ist nicht automatisch besser

10.000, 50.000 oder 100.000 Aufrufe sehen gut aus. Aber sind darunter auch die richtigen Menschen? Warum relevante Reichweite oft wichtiger ist als große Zahlen.

Auf Social Media ist der Beitrag fertig.
Text geschrieben, Bild ausgesucht, auf „Veröffentlichen“ geklickt.

Und jetzt?

Jetzt beginnt das Warten.

Man schaut nach einer Weile vorsichtig auf die Zahlen.

10.000 Aufrufe.

Oh.

30.000 Aufrufe.

Na bitte!

100.000 Aufrufe.

Jetzt wird es langsam richtig interessant.

Natürlich sieht das gut aus. Und seien wir ehrlich: Auch ich würde mich darüber freuen.

Aber sobald die erste Freude vorbei ist, interessiert mich inzwischen noch etwas anderes:

Wer waren diese 100.000 Menschen eigentlich?

Kommen sie aus meiner Region?

Interessieren sie sich überhaupt für meine Arbeit?

Haben sie mein Profil besucht?

Sind sie auf meiner Website gelandet?

Oder habe ich einfach sehr viele Menschen für ungefähr drei Sekunden unterhalten?

Auch das kann völlig in Ordnung sein.

Man sollte nur wissen, was man gerade erreicht hat.

 

Denn große Reichweite und gute Reichweite sind nicht automatisch dasselbe.

Reichweite ist erst einmal nur eine Zahl

Interessant wird sie erst, wenn die richtigen Menschen dahinterstehen.

 

Reichweite beschreibt vereinfacht gesagt, wie viele Menschen beziehungsweise Accounts mit einem Inhalt erreicht wurden.

Das klingt zunächst wunderbar.

Mehr ist schließlich mehr.

Oder?

Nicht unbedingt.

 

Stellen Sie sich vor, Sie betreiben einen kleinen regionalen Betrieb in irgendwo in Österreich und ein Beitrag erreicht plötzlich 80.000 Menschen.

Großartig.

 

Wenn davon allerdings 75.000 irgendwo leben, wo sie Ihre Dienstleistung niemals in Anspruch nehmen werden, ist die Zahl zwar beeindruckend – wirtschaftlich aber vielleicht weniger aufregend.

 

Ein anderer Beitrag erreicht nur 1.500 Menschen.

Dafür kommen viele davon aus Ihrer Region, gehören zu Ihrer Zielgruppe und einige besuchen anschließend Ihre Website.

Welche Reichweite hätten Sie lieber?

Ich müsste nicht lange überlegen.

Nicht jede Reichweite ist wertvoll

Entscheidend ist, ob sie zu Ihrem Ziel passt.

 

Reichweite kann sehr sinnvoll sein.

Wenn Sie eine neue Marke bekannt machen möchten.

Ein Produkt vorstellen.

Eine Veranstaltung bewerben.

Eine neue Zielgruppe erreichen.

 

Oder schlicht dafür sorgen möchten, dass mehr Menschen überhaupt erfahren, dass es Sie gibt.

Aber selbst dann würde ich mich nicht ausschließlich von der größten Zahl beeindrucken lassen.

Denn auch 50.000 Views können verpuffen.

Während 500 sehr passende Menschen vielleicht wesentlich interessanter sind.

 

Deshalb würde ich nicht fragen:

„Wie bekomme ich möglichst viel Reichweite?“

Sondern:

„Welche Menschen möchte ich überhaupt erreichen?“

Das klingt weniger spektakulär.

Ist aber für ein Unternehmen vermutlich die bessere Frage.

Und dann gibt es noch die berühmte Community

Auch die wird manchmal ein bisschen romantischer dargestellt, als sie sein muss.

 

Community Building.

Auch so ein Begriff, bei dem man schnell das Gefühl bekommt, jedes Unternehmen müsse unbedingt eine eingeschworene Fangemeinde um sich versammeln.

Menschen, die jeden Beitrag kommentieren.

Alles teilen.

Unter jedem Reel jubeln.

Und am besten morgens schon gespannt darauf warten, was die Marke heute wieder zu erzählen hat.

Kann wunderbar funktionieren.

Aber braucht das wirklich jedes Unternehmen?

Ich glaube nicht.

Nicht jedes Business braucht eine Fangemeinde

Manchmal reicht es vollkommen, zur richtigen Zeit im Gedächtnis zu sein.

 

Bei Mode, Lifestyle, Kreativität, Sport oder bestimmten Hobbythemen entsteht relativ leicht eine Gemeinschaft.

Menschen interessieren sich ohnehin für dasselbe Thema.

Sie tauschen sich aus.

Kommentieren.

Zeigen eigene Erfahrungen.

Da kann eine richtige Community sehr wertvoll werden.

 

Aber nehmen wir beispielsweise einen Industriebetrieb.

Oder eine Tischlerei.

Einen Installateur.

Eine Steuerberatung.

Muss dort jeden Morgen jemand sehnsüchtig auf den nächsten Instagram-Beitrag warten?

Vermutlich nicht.

 

Trotzdem kann Social Media sinnvoll sein.

Vielleicht sieht jemand immer wieder Projekte.

Bekommt Einblicke in die Arbeit.

Lernt das Unternehmen langsam kennen.

 

Und sechs Monate später entsteht plötzlich ein Bedarf.

Dann erinnert man sich:

„Da war doch dieser Betrieb, den ich immer wieder gesehen habe.“

Auch das ist wertvolle Sichtbarkeit.

Nur eben keine klassische „Community“.

Community bedeutet für mich vor allem Beziehung

Und die muss nicht aus tausenden Menschen bestehen.

 

Wenn ich von Community spreche, denke ich weniger an eine möglichst große Followerzahl.

Sondern an Menschen, die wirklich Interesse zeigen.

Die wiederkommen.

Fragen stellen.

Kommentieren.

Vielleicht einen Beitrag speichern oder weiterempfehlen.

Oder irgendwann Kontakt aufnehmen.

 

Das kann bei einem kleinen Unternehmen eine Gruppe von einigen hundert Menschen sein.

Und die kann wirtschaftlich wesentlich wertvoller sein als 20.000 Follower, von denen niemand so genau weiß, warum sie eigentlich da sind.

 

Followerzahl allein beeindruckt mich deshalb immer weniger.

Ich möchte lieber wissen:

Erreiche ich diese Menschen wirklich?

Reichweite ohne Beziehung kann schnell verpuffen

Ein viraler Beitrag macht noch keine Kundenbeziehung.

 

Ein Beitrag kann unglaublich viele Menschen erreichen.

Das ist spannend.

 

Vielleicht bringt er neue Follower.

Vielleicht sogar Presse oder zusätzliche Aufmerksamkeit.

 

Aber wenn danach nichts weiter passiert, bleibt am Ende eventuell nur eine große Zahl in der Statistik.

Das ist nicht automatisch schlecht.

Nur eben noch kein Geschäftserfolg.

 

Denn zwischen:

„Ich habe Sie irgendwo gesehen.“

und

„Ich vertraue Ihnen genug, um Sie zu buchen.“

liegt meistens noch etwas dazwischen.

 

Menschen möchten verstehen, wer Sie sind.

Was Sie anbieten.

Wie Sie arbeiten.

Ob sie Ihnen vertrauen.

Und ob Ihr Angebot überhaupt zu ihnen passt.

 

Reichweite kann die Tür öffnen.

Durchgehen muss der Mensch trotzdem noch selbst.

Aber nur die eigene kleine Community reicht ebenfalls nicht immer

Irgendwann müssen auch neue Menschen dazukommen.

 

Auf der anderen Seite kann man sich natürlich wunderbar in einer kleinen, treuen Gruppe bewegen.

 

Immer dieselben Menschen liken.

Immer dieselben kommentieren.

Alle kennen sich.

Sehr gemütlich.

 

Aber wenn Ihr Unternehmen wachsen möchte, brauchen Sie irgendwann vermutlich auch Menschen, die Sie noch nicht kennen.

 

Und genau dort wird Reichweite wieder interessant.

Neue Menschen entdecken Sie.

Ein Teil schaut genauer hin.

Ein kleinerer Teil bleibt.

Und vielleicht wird aus einigen davon irgendwann tatsächlich eine Kundin oder ein Kunde.

Für mich gehören Reichweite und Beziehung deshalb zusammen.

Nicht als Wettkampf.

Sondern eher als zwei unterschiedliche Aufgaben.

Reichweite bringt neue Menschen zu Ihnen.

Beziehung entscheidet, ob sie bleiben.

Große Zahlen können trotzdem Spaß machen

Wir müssen ja nicht so tun, als wären sie uns vollkommen egal 😉

 

Ich gebe zu:

Wenn ein Beitrag plötzlich außergewöhnlich gut läuft, schaue ich natürlich ebenfalls auf die Zahlen.

Und freue mich.

Warum auch nicht?

 

Nur versuche ich inzwischen, mich nicht davon verrückt machen zu lassen.

Ein erfolgreicher Beitrag bedeutet nicht automatisch:

Ab jetzt muss ich nur noch genau solche Beiträge machen.

Und ein Beitrag mit wenig Reichweite bedeutet ebenfalls nicht:

Das Thema interessiert niemanden.

Vielleicht war der Zeitpunkt ungünstig.

Vielleicht war der Einstieg schwach.

Vielleicht wurde der Beitrag einfach weniger ausgespielt.

Oder vielleicht war das Thema nur für eine kleine Gruppe relevant.

Und gerade diese kleine Gruppe könnte wiederum sehr interessant sein.

Social-Media-Zahlen sind Hinweise.

Keine göttlichen Botschaften.

Welche Zahlen sollte man überhaupt beobachten?

Am besten jene, die etwas mit Ihrem eigentlichen Ziel zu tun haben.

 

Wenn Sie bekannter werden möchten, ist Reichweite interessant.

Wenn Sie Inhalte erstellen, die Menschen später wieder brauchen sollen, können Speicherungen spannend sein.

Wenn Sie Diskussionen anstoßen möchten, sind Kommentare interessant.

Wenn Social Media Menschen auf Ihre Website bringen soll, schauen Sie auf Klicks und Website-Besuche.

Und wenn Sie Social Media tatsächlich zur Kundengewinnung einsetzen möchten, würde ich irgendwann die wichtigste Frage stellen:

Sind daraus Anfragen entstanden?

 

Nicht jede Maßnahme muss sofort einen Verkauf bringen.

Aber irgendwo sollte ein Zusammenhang mit Ihrem Unternehmensziel bestehen.

Sonst optimieren Sie irgendwann begeistert eine Kennzahl, die für Ihr Geschäft kaum Bedeutung hat.

Erst das Unternehmensziel – dann das Social-Media-Ziel

Nicht umgekehrt.

 

Das ist für mich überhaupt eine wichtige Regel.

Nicht:

„Wir brauchen mehr Reichweite.“

Sondern:

Warum?

Möchten Sie bekannter werden?

Neue Kundinnen und Kunden erreichen?

Eine Veranstaltung füllen?

Ihre Expertise zeigen?

Bestehende Kunden an sich erinnern?

Menschen auf Ihre Website bringen?

Eine Community rund um ein Thema aufbauen?

 

Je nach Antwort sieht die Strategie völlig anders aus.

Und manchmal lautet die Antwort vielleicht sogar:

Social Media spielt für uns gar keine so große Rolle.

Auch das darf sein.

Nicht jedes Unternehmen muss jeden verfügbaren Kanal maximal bespielen.

Meine eigene Sicht darauf hat sich verändert

Früher hätte ich wahrscheinlich stärker auf die Zahl geschaut.

 

Heute interessiert mich wesentlich mehr, wer auf meine Inhalte reagiert.

Ich arbeite mit Unternehmen.

Mit Selbständigen.

Mit Menschen, die sich mit ihrer Marke, ihrer Website oder ihrer Sichtbarkeit beschäftigen.

 

Wenn ein Beitrag genau diese Menschen erreicht, freue ich mich.

Auch wenn es keine 100.000 sind.

Natürlich möchte auch ich neue Menschen erreichen.

 

Sonst könnte ich meine Beiträge genauso gut ausdrucken und in eine Schublade legen.

Aber ich möchte nicht Reichweite um der Reichweite willen.

Ich möchte genügend von den richtigen Menschen erreichen.

Das ist ein Unterschied.

Mein Fazit: Mehr ist nicht automatisch besser

Reichweite ist wichtig.

Community kann wertvoll sein.

 

Aber keines von beidem ist automatisch das Ziel für jedes Unternehmen.

Ein regionales Unternehmen braucht vielleicht keine riesige Fangemeinde.

Ein Online-Business dagegen kann sehr davon profitieren.

Manche Unternehmen brauchen vor allem neue Menschen.

Andere möchten bestehende Kontakte vertiefen.

Und viele brauchen eine Mischung daraus.

 

Deshalb würde ich mich nicht von der Frage verrückt machen lassen:

„Wie bekomme ich möglichst viel Reichweite?“

Ich würde zuerst fragen:

„Welche Menschen möchte ich erreichen – und was soll danach passieren?“

Wenn Sie das wissen, werden auch die Zahlen plötzlich wesentlich verständlicher.

 

Und wenn ein Beitrag irgendwann 100.000 Menschen erreicht:

Freuen Sie sich ruhig.

Das würde ich auch.

 

Schauen Sie anschließend nur noch kurz nach, wer eigentlich gekommen ist.

Blog-Autorin Manuela Spiegelfeld
AUTORIN Manuela Spiegelfeld

Gründerin von ARTbySpiegelfeld.
Ich schreibe über Gestaltung, Webdesign, Sichtbarkeit und das, was mir im Business-Alltag sonst noch begegnet.

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