Ich bin Webdesignerin – nicht ein Sonderangebots-Regal

Warum ich Websites nicht mehr unter Wert anbiete – und warum ein kleines Budget trotzdem kein Problem sein muss. Ein persönlicher Blick hinter die Kulissen.

Manchmal sitze ich vor einem Projekt, schaue auf meine To-do-Liste – und merke:

Ich freue mich nicht darauf.

 

Nicht, weil ich keine Lust auf Websites hätte.

Im Gegenteil.

Ich liebe diese Arbeit.

Struktur entwickeln. Gestalten. Lösungen suchen. Nutzerführung überlegen. Aus einem Haufen Gedanken plötzlich einen Auftritt machen, bei dem alles zusammenpasst.

 

Dieses „Jetzt macht es klick“-Gefühl ist genau mein Ding.

Und trotzdem kenne ich dieses Ziehen im Bauch.

 

Weil ich schon beim Blick auf die Aufgaben weiß:

Ich habe dieses Projekt zu günstig kalkuliert.

Ich habe mich erweichen lassen.

Noch etwas dazugegeben.

Hier noch eine Stunde.

Dort noch eine Änderung.

„Das machen wir schnell mit.“

 

Und irgendwann ist aus einem schönen Projekt ein Marathon geworden, bei dem ich bei jedem weiteren Kilometer innerlich mit mir selbst diskutiere.

Das möchte ich nicht mehr.

Das Märchen von der schnellen Website

Nur weil etwas im Internet einfach aussieht, ist es noch lange nicht in einer Stunde gemacht.

 

YouTube sagt:

„Website in einer Stunde erstellen.“

Irgendwo wirbt jemand mit:

„Logo und Website um 700 Euro.“

 

Und KI verspricht ohnehin, inzwischen so ziemlich alles in fünf Minuten erledigen zu können.

Und irgendwo dazwischen sitzt dann eine Unternehmerin oder ein Unternehmer und denkt verständlicherweise:

„So viel Arbeit kann eine Website doch eigentlich gar nicht sein.“

 

Doch.

Kann sie.

 

Zumindest dann, wenn sie nicht einfach nur irgendwie online stehen soll.

Eine Website besteht eben nicht nur daraus, ein Template zu öffnen, ein Foto hineinzuschieben und drei Textfelder auszutauschen.

 

Wir reden.

Wir denken.

Wir sortieren.

Wir hinterfragen.

Wir entscheiden.

Wir strukturieren Inhalte.

Wir überlegen, wer Ihre Kundinnen und Kunden sind, wonach diese suchen und wie sie durch die Seite geführt werden sollen.

Wir gestalten.

Wir testen.

Wir korrigieren.

Wir optimieren.

 

Und zwischendurch beschließt irgendein Plugin, Browser oder Endgerät selbstverständlich noch, eine eigene Meinung zu unserem Projekt zu entwickeln.

 

Eine Website ist nicht nur Technik.

Sie ist Verantwortung für einen Teil Ihres Unternehmensauftritts.

Was mich wirklich stört, ist nicht ein kleines Budget

Es ist die Erwartung, professionelle Arbeit zum Hobby-Preis zu bekommen.

 

Ich arbeite gerne mit kleinen Unternehmen.

Auch mit Menschen, die gerade erst gründen.

Und ich verstehe sehr gut, wenn am Anfang nicht unbegrenzt Geld vorhanden ist.

 

Das ist nicht das Problem.

Ein begrenztes Budget kann man besprechen.

Dann schauen wir:

Was brauchen Sie jetzt wirklich?

Was kann warten?

Was können Sie vielleicht selbst übernehmen?

Können wir zunächst kleiner starten und später ausbauen?

Alles machbar.

 

Was mich dagegen müde macht, ist diese Haltung:

„Ich brauche nur etwas Einfaches. Es darf aber möglichst nichts kosten.“

 

Denn „einfach“ bedeutet nicht automatisch „in einer Stunde erledigt“.

Und häufig steckt dahinter eigentlich die Erwartung:

professionelle Wirkung – zum Preis eines Hobbyprojekts.

Das geht sich irgendwann nicht mehr aus.

 

Nicht mit Beratung.

Nicht mit sorgfältiger Arbeit.

Nicht mit Feedbackschleifen.

Nicht mit einer vernünftigen Struktur.

Nicht mit all den kleinen Dingen, die später niemand sieht – die aber den Unterschied zwischen „irgendwie online“ und einer professionellen Website ausmachen.

Ein Projektpreis ist nicht mein Stundenlohn

Die Zahl auf dem Angebot landet nicht einfach auf meinem privaten Konto.

Wenn ich mit Freunden über meine Arbeit spreche, kommt irgendwann fast immer die Frage:

„Was kostet so eine Website eigentlich ungefähr?“

Dann nenne ich eine realistische Spanne – und bekomme nicht selten zur Antwort:

„Na dann wirst du ja bald reich.“

Ähm … nein.

So funktioniert Selbständigkeit leider nicht.

 

Wenn eine Website einige Tausend Euro kostet, bedeutet das nämlich nicht:

„So viel verdient die Webdesignerin jetzt.“

Von diesem Betrag gehen nicht nur meine Arbeitsstunden weg, sondern auch all die Dinge, die im Hintergrund bezahlt werden müssen, damit ich überhaupt professionell arbeiten kann.

 

Zum Beispiel:

  • Steuern und Abgaben

  • Versicherungen

  • Software und Lizenzen

  • Hosting- und Testsysteme

  • Hardware

  • Büro und laufende Betriebskosten

  • Buchhaltung

  • Weiterbildung

  • administrative Arbeit

  • Kundengespräche

  • Angebotslegung

  • Projektorganisation

  • Zeiten, die niemandem direkt verrechnet werden können

  • Urlaub und krankheitsbedingte Ausfälle

 

Und erst danach reden wir darüber, was am Ende tatsächlich als Einkommen übrig bleibt.

 

Das ist bei jedem Unternehmen unterschiedlich.

Aber eines ist sicher:

Projektpreis und persönlicher Verdienst sind zwei völlig verschiedene Zahlen.

Und genau deshalb kann ich meine Arbeit nicht dauerhaft so kalkulieren, als müsste davon nur die reine Gestaltungszeit bezahlt werden.

„Aber jemand macht es doch für 700 Euro“

Stimmt. Die Frage ist nur: Was genau bekommen Sie dafür?

 

Natürlich gibt es jemanden, der eine Website günstiger erstellt.

Immer.

Genauso gibt es jemanden, der teurer ist als ich.

 

Preis allein sagt noch nichts über Qualität aus.

Aber wenn Sie Angebote vergleichen, sollten Sie schon genauer hinschauen.

Was ist enthalten?

Gibt es ein Konzept?

Wird Ihre Zielgruppe berücksichtigt?

Werden Texte einfach eingefügt oder mitgedacht?

Wie individuell ist die Gestaltung?

Was passiert mit SEO?

Mobile Darstellung?

Datenschutz?

Technische Einrichtung?

Einschulung?

Support nach dem Launch?

Wer kümmert sich um Änderungen?

 

Und vor allem:

Wie viele Stunden professionelle Arbeit können bei diesem Preis wirtschaftlich überhaupt enthalten sein?

 

Das ist keine Kritik an günstigen Anbietern.

Manche arbeiten mit anderen Geschäftsmodellen.

Andere Ländern, anderen Kostenstrukturen oder stark standardisierten Abläufen oder sehr begrenztem Leistungsumfang.

 

Völlig legitim.

 

Aber bitte vergleichen Sie dann auch wirklich dieselbe Leistung.

Ein Preisvergleich bringt wenig, wenn Sie einen individuell entwickelten Unternehmensauftritt mit einem fertig eingerichteten Template vergleichen.

Günstig ist nicht automatisch schlecht

Und teuer ist übrigens auch keine Garantie für Qualität.

Auch das möchte ich ausdrücklich sagen.

 

Ich glaube nicht an:

teuer = automatisch gut.

Das ist Unsinn.

 

Eine günstige, kleine Website kann für ein junges Unternehmen genau die richtige Lösung sein.

Vielleicht brauchen Sie am Anfang keinen riesigen Auftritt.

Vielleicht reichen drei gute Seiten.

Vielleicht genügt zunächst ein Baukastensystem.

Vielleicht können Sie Texte oder Inhalte selbst erstellen.

Wunderbar.

 

Ich arbeite sogar sehr gerne so.

Klein starten ist etwas völlig anderes als billig zusammenbauen.

Das eine ist eine bewusste Entscheidung über den Umfang.

Das andere spart häufig an genau den Dingen, auf denen später alles aufbauen soll.

Wenn das Budget klein ist, reduzieren wir den Umfang

Nicht die Qualität.

 

Das ist inzwischen meine klare Haltung.

Wenn Sie 5.000 Euro gerade nicht investieren können, ist die Lösung nicht zwangsläufig:

„Dann mache ich eben dieselbe Arbeit für 1.500.“

 

Die sinnvollere Frage lautet:

Was können wir für dieses Budget vernünftig umsetzen?

Vielleicht starten wir mit einer kleineren Website.

Vielleicht brauchen Sie zunächst keinen Blog.

Vielleicht noch keinen Mitgliederbereich.

Vielleicht schreiben Sie Ihre Texte selbst und ich gebe Feedback.

Vielleicht setzen Sie bestimmte Dinge mit meiner Begleitung selbst um.

Vielleicht bauen wir heute ein solides Fundament und erweitern später.

 

Damit kann ich gut leben.

Was ich nicht mehr möchte:

Den vereinbarten Umfang immer weiter aufblasen und so tun, als würde das schon irgendwie funktionieren.

Denn am Ende zahlt immer jemand dafür.

Und sehr lange war ich das selbst.

Was passiert, wenn ich zu günstig kalkuliere

Irgendwann leidet nicht nur meine Rechnung – sondern auch meine Freude an der Arbeit.

 

Das ist der Teil, der mir persönlich am meisten zu schaffen macht.

Wenn ich weiß, dass ein Projekt längst mehr Zeit frisst als kalkuliert, verändert sich etwas.

 

Ich beginne innerlich Stunden mitzuzählen.

Ich ärgere mich über zusätzliche Wünsche, über die ich mich bei einem fair kalkulierten Projekt vermutlich überhaupt nicht ärgern würde.

Ich muss mich selbst motivieren.

 

Und plötzlich wird aus einer Arbeit, die ich eigentlich liebe, etwas, das Energie zieht.

Das ist weder für mich noch für meine Kundinnen und Kunden gut.

 

Denn ich möchte mich auf ein Projekt freuen.

Ich möchte Ideen haben.

Ich möchte ausprobieren.

Nachdenken.

 

Mich über die fertige Seite freuen.

Und nicht bei jeder zusätzlichen Stunde denken:

„Eigentlich arbeite ich jetzt schon wieder gratis.“

Das ist keine gute Grundlage für kreative Arbeit.

Ich möchte mich nicht mehr erweichen lassen

Nicht jedes „Ach, könnten Sie vielleicht noch schnell …?“ ist tatsächlich schnell.

 

Das ist übrigens mindestens genauso sehr eine Nachricht an mich selbst wie an meine Kundinnen und Kunden.

 

Ich neige dazu, zu helfen.

Noch etwas zu machen.

Noch schnell nachzusehen.

„Das bekommen wir schon hin.“

 

Und natürlich wird ein Projekt niemals auf die Minute exakt nach Kalkulation laufen.

Das gehört dazu.

 

Aber ich möchte nicht mehr:

  • Projekte schönreden, die nicht vernünftig kalkuliert sind,

  • ständig Stunden verschenken,

  • den vereinbarten Umfang immer weiter ausdehnen,

  • mich selbst davon überzeugen, dass es „eh passt“,

  • oder mich über Projekte ärgern, die ich eigentlich gerne machen wollte.

 

Das klingt vielleicht hart.

Aber es ist ehrlicher als das ewige:

„Ja klar, machen wir schon irgendwie.“

 

Denn am Ende sind es meine Zeit, meine Energie und mein Kopf.

Ich würde lieber weniger Websites bauen

Dafür solche, hinter denen ich wirklich stehen kann.

 

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis für mich.

Ich möchte nicht möglichst viele Websites produzieren.

Ich möchte gute Projekte.

Mit Kundinnen und Kunden, die ihre Arbeit ernst nehmen.

Mit klaren Entscheidungen.

Mit realistischen Budgets.

Mit gegenseitigem Respekt.

Und mit einem Ergebnis, auf das wir beide stolz sein können.

 

Ganz ehrlich:

Bevor ich mich dauerhaft über schlecht kalkulierte Billigprojekte ausbrenne, würde ich irgendwann lieber meine Selbständigkeit wieder aufgeben.

Das meine ich ernst.

Denn dafür habe ich sie nicht aufgebaut.

Ich wollte selbständig arbeiten, weil ich gute Arbeit machen möchte.

Nicht, weil ich möglichst günstig möglichst viele Webseiten zusammenschieben möchte.

Und wenn Sie gerade erst starten?

Dann finden wir einen Weg, der zu Ihrem Budget passt – aber nicht auf Kosten von uns beiden.

 

Sie brauchen nicht automatisch ein riesiges Budget.

Wirklich nicht.

Vielleicht starten wir kleiner.

Mit dem Wesentlichen.

Mit einem klaren Angebot.

Einer vernünftigen Struktur.

Einem professionellen Auftritt.

Einem einfachen Weg zur Kontaktaufnahme.

 

Und dann wächst Ihre Website mit Ihrem Unternehmen.

Das halte ich für wesentlich sinnvoller, als heute möglichst billig alles hineinzupacken und in zwei Jahren wieder komplett von vorne anzufangen.

 

Nicht am Preis herumquetschen. Den Umfang sinnvoll planen.

Das ist fair.

Für Sie.

Und für mich.

Mein Fazit

Ich arbeite gerne. Aber nicht mehr um jeden Preis.

Dieser Artikel soll keine Schimpftirade gegen Menschen mit kleinen Budgets sein.

Im Gegenteil.

 

Ich finde es vollkommen legitim, zu sagen:

„Mehr kann ich momentan nicht investieren.“

Dann können wir darüber sprechen.

 

Was ist möglich?

Was brauchen Sie wirklich?

Was können wir weglassen?

Wo können Sie selbst mitarbeiten?

Was kann später kommen?

 

Das ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

 

Was ich nicht mehr möchte, ist professionelle Arbeit zu einem Preis anzubieten, bei dem ich bereits vor Projektbeginn weiß, dass ich mich am Ende darüber ärgern werde.

Denn Webdesign ist für mich nicht „ein bisschen hübsch machen“.

Es ist Denken.

Beraten.

Strukturieren.

Gestalten.

Technik.

Kommunikation.

Verantwortung.

 

Und ziemlich viel Arbeit, die man am fertigen Bildschirm gar nicht mehr sieht.

Ich mache diese Arbeit sehr gerne.

Und genau deshalb möchte ich sie so machen, dass sie auch langfristig Freude macht.

 

Sie möchten eine Website – aber Ihr Budget ist begrenzt?

Dann reden wir darüber.

Vielleicht brauchen Sie gar nicht sofort die große Komplettlösung.

Wir schauen gemeinsam, was für Ihr Unternehmen jetzt wirklich sinnvoll ist, womit Sie gut starten können und was später dazukommen darf.

Nicht billig um jeden Preis.

Sondern fair geplant – für Sie und für mich.

Blog-Autorin Manuela Spiegelfeld
AUTORIN Manuela Spiegelfeld

Gründerin von ARTbySpiegelfeld.
Ich schreibe über Gestaltung, Webdesign, Sichtbarkeit und das, was mir im Business-Alltag sonst noch begegnet.

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