Printwerbung ist out? Warum ich trotzdem Postkarten verschicke
Social Media hier, Instagram dort, Google sowieso – und inzwischen darf natürlich auch KI bei keiner Diskussion über Sichtbarkeit fehlen.
Da wirkt eine gedruckte Postkarte beinahe ein bisschen aus der Zeit gefallen.
Ist Printwerbung also endgültig out?
Ich finde: überhaupt nicht.
Ich betreibe schließlich selbst eine Werbeagentur – und natürlich muss auch eine Werbeagentur Werbung für sich machen.
Und nein:
Nicht ausschließlich auf Social Media.
Ich habe mir inzwischen zum zweiten Mal eigene Werbepostkarten drucken lassen.
Nicht, weil ich glaube, dass wir jetzt alle wieder mit 10.000 Flyern durch die Gegend laufen sollten.
Sondern weil ich bestimmte Unternehmen in meiner Region ganz gezielt erreichen möchte.
Und manchmal ist eine schöne Karte auf einem Schreibtisch eben präsenter als ein Social-Media-Post, der zwischen Frühstücksfoto, Katzenvideo und der nächsten Anzeige innerhalb weniger Sekunden verschwunden ist.
Printwerbung ist nicht für jedes Unternehmen sinnvoll
Entscheidend ist nicht der Kanal – sondern wen Sie erreichen möchten.
Ich halte wenig von Aussagen wie:
„Sie müssen auf Instagram sein.“
„Sie brauchen unbedingt Google Ads.“
oder eben:
„Print funktioniert heute nicht mehr.“
Das ist mir zu einfach.
Ein österreichweit arbeitender Onlineanbieter kann mit einer regional verteilten Postkarte vermutlich wenig anfangen.
Ein Installateur, eine Tischlerei, ein Geschäft, eine Fotografin oder ein anderer regionaler Dienstleistungsbetrieb kann damit dagegen genau dort sichtbar werden, wo die potenziellen Kundinnen und Kunden tatsächlich wohnen oder arbeiten.
Deshalb würde ich immer zuerst fragen:
Wen möchten Sie erreichen?
Wo befinden sich diese Menschen?
Wie suchen sie nach Ihrem Angebot?
Wo kommen sie im Alltag mit Werbung in Berührung?
Und welcher Kanal passt überhaupt zu Ihrem Angebot?
Sie sehen schon – wer seine Zielgruppe genau kennt, kann diese Fragen schnell beantworten …
Erst danach würde ich entscheiden, ob Print, Social Media, Google, Newsletter oder etwas völlig anderes sinnvoll ist.
Warum ich selbst wieder Postkarten drucken ließ
Weil meine Kundinnen und Kunden nicht ausschließlich in meinem Instagram-Feed wohnen.
Ich arbeite viel mit kleinen und mittleren Unternehmen in meiner Region.
Und wenn ich unterwegs bin, sehe ich Unternehmen.
Geschäfte.
Werkstätten.
Praxen.
Lokale.
Betriebe, bei denen ich denke:
Da wäre vielleicht etwas möglich.
Vielleicht ist die Website sehr in die Jahre gekommen.
Vielleicht passt der Auftritt überhaupt nicht mehr zu dem, was das Unternehmen heute eigentlich macht.
Vielleicht wird gerade neu eröffnet.
Oder ich entdecke ein Unternehmen, dessen Arbeit ich einfach interessant finde.
Dann möchte ich nicht immer darauf hoffen, dass der Instagram-Algorithmus irgendwann freundlicherweise beschließt, diesem Menschen einen Beitrag von mir zu zeigen.
Manchmal möchte ich einfach sagen:
Hallo. Mich gibt es. Und vielleicht kann ich Ihnen helfen.
Genau dafür mag ich meine Postkarten.
Print bleibt manchmal erstaunlich lange liegen
Einen Feed-Beitrag kann man nicht auf den Schreibtisch legen.
Das ist für mich einer der charmantesten Unterschiede.
Eine Karte ist etwas Physisches.
Man nimmt sie in die Hand.
Legt sie vielleicht auf den Schreibtisch.
Steckt sie an eine Pinnwand.
Gibt sie einer Kollegin weiter.
Oder findet sie zwei Wochen später wieder zwischen anderen Unterlagen.
Natürlich kann sie genauso gut innerhalb von zehn Sekunden im Papierkorb landen.
Da sollten wir uns nichts vormachen.
Aber das kann eine Social-Media-Anzeige ebenso.
Nur eben digital.
Kein Werbekanal garantiert Aufmerksamkeit.
Die Frage ist immer, ob Botschaft, Gestaltung, Zeitpunkt und Zielgruppe zusammenpassen.
Bitte nicht einfach 5.000 Stück drucken und hoffen
Printwerbung braucht genauso eine Strategie wie Online-Werbung.
Nur weil etwas gedruckt ist, wird es nicht automatisch wertvoll.
Auch eine wunderschöne Postkarte kann vollkommen wirkungslos sein, wenn sie an die falschen Menschen geschickt wird.
Bevor Sie also drucken lassen, würde ich mir überlegen:
Was möchte ich überhaupt erreichen?
Bekanntheit?
Eine Neueröffnung ankündigen?
Eine saisonale Aktion bewerben?
Ein bestimmtes Angebot vorstellen?
Auf ein neues Produkt aufmerksam machen?
Neue Geschäftskunden gewinnen?
Und anschließend:
Wer soll diese Botschaft bekommen?
Denn eine Karte, die für alle gedacht ist, spricht am Ende häufig niemanden besonders an.
Lieber mehrere Botschaften als eine Karte für die ganze Welt
Nicht jeder Kunde braucht denselben Grund, um sich für Sie zu interessieren.
Das mache ich auch bei meinen eigenen Postkarten.
Ich finde es wesentlich sinnvoller, verschiedene Varianten zu gestalten, als eine einzige Karte zu produzieren, die irgendwie alles sagen soll.
Ein Unternehmen mit einer veralteten Website hat ein anderes Problem als jemand, der gerade erst gründet.
Ein Geschäft vor Ort braucht vielleicht etwas anderes als eine selbständige Beraterin.
Warum also allen exakt dieselbe Botschaft schicken?
Print hat hier sogar einen schönen Vorteil:
Sie können sehr gezielt kommunizieren.
Nicht komplizierter.
Nur passender.
Vier Postkarten, vier Situationen – jeweils passend zur Zielgruppe gestaltet.
Woher bekommen Sie geeignete Adressen?
Bitte mit etwas mehr Überlegung als „Wir kaufen einmal 10.000 Datensätze“.
Bei bestehenden Kundinnen und Kunden, Geschäftskontakten oder bekannten Unternehmen haben Sie häufig bereits geeignete Kontaktdaten.
Auch eine gezielte Recherche nach Unternehmen in einer bestimmten Region oder Branche kann für B2B-Maßnahmen sinnvoll sein.
Bei gekauften oder von Dritten bezogenen Adressdaten würde ich allerdings nicht einfach unbekümmert losschicken.
Je nachdem, ob Sie Privatpersonen oder Unternehmen ansprechen, woher die Daten stammen und wie Sie sie verwenden, können Datenschutz-, Werbe- und Informationspflichten eine Rolle spielen.
Deshalb:
Erst klären, dann drucken und versenden.
Eine andere Möglichkeit kann je nach Aktion auch eine regionale, nicht persönlich adressierte Verteilung sein.
Welche Variante passt, hängt stark vom jeweiligen Unternehmen und der Kampagne ab.
Mein persönlicher „Adressfinder“ funktioniert übrigens etwas anders
Augen offen halten.
Das meine ich durchaus ernst.
Ich finde interessante Unternehmen häufig im normalen Alltag.
Beim Vorbeifahren.
Beim Einkaufen.
In einer Zeitung.
Auf Veranstaltungen.
Durch Empfehlungen.
Oder weil mir irgendwo ein Unternehmen auffällt und ich neugierig werde.
Dann schaue ich mir den Betrieb an.
Nicht mit dem Gedanken:
„Wie kann ich dem jetzt irgendetwas verkaufen?“
Sondern:
Was machen die?
Passt das grundsätzlich zu meiner Arbeit?
Könnte ich dort tatsächlich einen Mehrwert bieten?
Wenn ja, landet das Unternehmen vielleicht auf meiner Liste.
Ich finde diese Art der Akquise wesentlich angenehmer als wahllos hunderte Menschen anzuschreiben.
Und was ist mit Social Media?
Natürlich bleibt das ebenfalls Teil meiner Sichtbarkeit.
Ich würde Print und Social Media nicht gegeneinander ausspielen.
Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Über Social Media kann ich regelmäßig zeigen:
woran ich arbeite
wie ich denke
welche Projekte entstehen
was mir bei Gestaltung wichtig ist
wer hinter ARTbySpiegelfeld steckt
Jemand sieht vielleicht zuerst meine Postkarte.
Schaut anschließend auf meine Website.
Findet mich später auf Instagram.
Liest irgendwann einen Blogartikel.
Und meldet sich vielleicht erst Monate später.
Genau deshalb denke ich bei Werbung lieber in Kontaktpunkten als in einem einzigen perfekten Kanal.
Print und Online können sich wunderbar ergänzen
Eine Postkarte muss nicht am Papier enden.
Auf einer Printwerbung kann beispielsweise eine konkrete Website-Adresse stehen.
Oder ein QR-Code führt:
zu einer passenden Landingpage
zu einem besonderen Angebot
zu einer Projektseite
zu einem Download
zu einem Termin
oder ganz einfach zu Ihrer Website
So lässt sich Offline-Werbung sehr schön mit Ihrer Online-Präsenz verbinden.
Aber auch hier gilt:
Bitte nicht einfach einen QR-Code auf alles kleben, nur weil man das jetzt macht.
Er sollte zu einem sinnvollen Ziel führen.
Wenn ich ihn scanne und anschließend auf einer Startseite lande, auf der ich erst wieder suchen muss, warum ich eigentlich dort bin, war der Umweg eher wenig hilfreich.
Für wen Printwerbung besonders interessant sein kann
Vor allem dort, wo Region, persönlicher Kontakt oder ein konkreter Anlass eine Rolle spielen.
Ich sehe Print beispielsweise häufig sinnvoll bei:
Handwerksbetrieben
Wenn Kundinnen und Kunden hauptsächlich aus einem bestimmten Einzugsgebiet kommen.
Lokalen Dienstleistungsunternehmen
Von Fotografie über Kosmetik bis zu Beratung oder anderen regionalen Angeboten.
Gastronomie und Hotellerie
Für Eröffnungen, Veranstaltungen, Gutscheine oder saisonale Angebote.
Einzelhandel
Bei Aktionen, Neueröffnungen oder Veranstaltungen.
B2B-Unternehmen
Wenn eine klar definierte Gruppe von Betrieben angesprochen werden soll.
Kreativen und kleinen Unternehmen
Wenn eine besondere Gestaltung bereits einen Teil der eigenen Persönlichkeit transportieren kann.
Natürlich heißt das nicht:
Jeder dieser Betriebe braucht Printwerbung.
Es heißt nur:
Hier lohnt es sich, darüber nachzudenken.
Was kostet Printwerbung?
So viel, dass man vorher überlegen sollte, was man damit erreichen möchte.
Ich hatte in einer früheren Version dieses Artikels konkrete Druck-, Porto- und Social-Media-Preise angeführt.
Das lasse ich heute bewusst weg.
Solche Preise verändern sich.
Außerdem hilft Ihnen wenig, wenn ich Ihnen irgendeinen durchschnittlichen Stückpreis nenne, Ihre eigene Kampagne aber völlig anders aufgebaut ist.
Relevant sind unter anderem:
Auflage
Format
Papier
Veredelung
Gestaltung
Versandart
Adressierung
Verteilung
gewünschte Reichweite
Deshalb interessiert mich weniger:
„Was kostet eine Postkarte?“
sondern:
„Was kostet es, die richtigen Menschen mit einer vernünftigen Botschaft zu erreichen?“
Das ist die wesentlich bessere Frage.
Und dieselbe gilt übrigens auch für Social Media und Google Ads.
„Aber ich habe momentan ohnehin genug Geschäft“
Genau dann verschwindet Werbung erstaunlich schnell von der To-do-Liste.
Das kenne ich auch.
Wenn genug Arbeit da ist, wirkt Werbung plötzlich nicht besonders dringend.
Kundenprojekte sind wichtiger.
Angebote müssen geschrieben werden.
Termine stehen an.
Und die eigene Sichtbarkeit kann ja noch ein bisschen warten.
Bis irgendwann weniger Anfragen kommen.
Dann soll Marketing möglichst innerhalb von zwei Wochen wieder alles auffüllen.
Das funktioniert leider nicht immer so zuverlässig.
Sichtbarkeit lässt sich leichter pflegen als unter Zeitdruck wiederbeleben.
Das bedeutet nicht, dass Sie permanent Werbegeld ausgeben müssen.
Aber vollständig unsichtbar zu werden, sobald das Geschäft gut läuft, halte ich für keine besonders gute Strategie.
Mein Fazit: Print ist nicht out. Schlechte Werbung vielleicht schon.
Nicht jeder neue Kanal macht den alten automatisch wertlos.
Ich glaube nicht an:
Print statt Social Media.
Und auch nicht an:
Social Media statt Print.
Ich glaube daran, sich zu überlegen:
Wo treffe ich die Menschen, die ich erreichen möchte?
Bei manchen Unternehmen ist das Instagram.
Bei anderen Google.
Bei manchen eine Empfehlung.
Und manchmal ist es eben tatsächlich eine Postkarte, die auf einem Schreibtisch landet.
Meine eigenen werde ich deshalb vermutlich nicht zum letzten Mal gedruckt haben.
Nicht weil Print nostalgisch ist.
Sondern weil es für bestimmte Menschen und bestimmte Situationen schlicht funktioniert.
Und wenn eine gute Idee funktioniert, muss ich sie nicht ausmustern, nur weil sie nicht mehr ganz neu ist.
Sie möchten online und offline stimmig sichtbar werden?
Werbung beginnt für mich nicht mit der Frage, welches Format gerade angesagt ist.
Sie beginnt mit Ihrem Unternehmen, Ihren Kundinnen und Kunden und der Frage, wo Sie sinnvoll sichtbar werden können.
Wenn Sie dabei Unterstützung bei Gestaltung, Website oder Ihren Werbemitteln brauchen, schauen wir gemeinsam darauf, was wirklich zu Ihrem Unternehmen passt.