Kaum ein Thema wird rund um Websites so gerne kompliziert gemacht.
Keywords.
Backlinks.
Core Web Vitals.
Meta-Daten.
Interne Links.
Content.
Search Intent.
Strukturierte Daten.
Und inzwischen natürlich noch:
SEO für KI. GEO. AEO.
Spätestens dann könnte man als kleines Unternehmen durchaus auf die Idee kommen:
„Brauche ich dafür jetzt eigentlich ein eigenes Informatikstudium?“
Nein.
Zumindest nicht, wenn Sie einfach vernünftig mit Ihrer Unternehmenswebsite gefunden werden möchten.
SEO kann sehr komplex werden. Aber nicht jedes Unternehmen braucht jede denkbare Optimierungsmaßnahme.
Und vor allem – :
Mehr SEO ist nicht automatisch besseres SEO.
Inhaltsverzeichnis
Kann mir jemand Platz 1 bei Google versprechen?
Nein. Und bei solchen Versprechen werde ich vorsichtig.
Ich begegne immer wieder Angeboten, bei denen Unternehmern ziemlich konkrete Platzierungen versprochen werden.
Seite 1.
Top 3.
Am besten natürlich Platz 1.
Google selbst schreibt dazu ausgesprochen deutlich, dass niemand eine Nummer-1-Platzierung garantieren kann. Google empfiehlt sogar ausdrücklich, bei SEO-Anbietern vorsichtig zu sein, die Rankings garantieren.
Das finde ich eigentlich angenehm eindeutig.
Natürlich kann professionelle Suchmaschinenoptimierung sehr viel verbessern.
Aber ich kann Google nicht anrufen und sagen:
„Hallo, die Website von Frau Huber wäre jetzt fertig. Bitte ab morgen auf Position 1 bei Google ranken, danke.“
Leider.
Ich kann Voraussetzungen schaffen.
Technische Probleme beseitigen.
Inhalte verbessern.
Google verständlich machen, worum es auf einer Seite geht.
Suchbegriffe und Fragen der Zielgruppe berücksichtigen.
Interne Verbindungen schaffen.
Und beobachten, was tatsächlich funktioniert.
Das Ergebnis bestimmen kann ich nicht.
Eine gute SEO-Basis braucht fast jede Unternehmenswebsite
Aber die Basis ist eben die Basis – nicht der Beginn einer lebenslangen Optimierungsorgie.
Für eine normale Unternehmenswebsite würde ich zumindest darauf achten, dass:
- die Website von Suchmaschinen technisch erreicht und verstanden werden kann,
- die Seiten sinnvoll aufgebaut sind,
- jede wichtige Seite ein klares Thema hat,
- Seitentitel und Überschriften verständlich sind,
- Texte tatsächlich erklären, was das Unternehmen anbietet,
- Bilder sinnvoll eingebunden werden,
- interne Links vorhanden sind,
- die Website mobil vernünftig funktioniert,
- und keine offensichtlichen technischen Probleme die Nutzung erschweren.
Google beschreibt SEO selbst im Grunde genau in dieser Richtung: Inhalte und Websites sollen für Suchmaschinen leichter zu crawlen, zu indexieren und zu verstehen sein.
Schon grundlegende SEO-Kenntnisse können dabei einen merkbaren Unterschied machen.
Das ist für mich die Pflicht.
Danach kommt die Kür.
Muss ich ständig an meiner Website herumoptimieren?
Bitte nicht nur deshalb, weil irgendein SEO-Tool noch irgendwo einen gelben Punkt gefunden hat.
Ich mag SEO-Tools.
Sie können ausgesprochen hilfreich sein.
Aber sie können Menschen auch wunderbar beschäftigen.
Noch ein Keyword einfügen.
Hier zwei Wörter verändern.
Die Überschrift wieder umstellen.
Meta-Beschreibung dreimal umschreiben.
Und plötzlich wird aus einer verständlichen Seite ein Text, der hauptsächlich deshalb existiert, damit irgendein Plugin endlich eine grüne Ampel zeigt.
Die grüne Ampel ist aber nicht Ihr Kunde.
Und sie ist auch nicht Google.
Wenn eine Seite fachlich gut aufgebaut ist, verständlich erklärt, was sie soll, gefunden wird und Anfragen bringt, würde ich nicht jede Woche daran herumschrauben.
Nur weil man SEO optimieren kann, muss man nicht permanent SEO optimieren.
Schauen Sie lieber zuerst, ob überhaupt ein Problem existiert
Daten sind manchmal beruhigender als das nächste YouTube-Video.
Wenn eine Seite keine Besucher bekommt, würde ich nicht sofort alles neu schreiben.
Ich würde zuerst nachsehen.
Zum Beispiel in der Google Search Console.
Wird die Seite überhaupt angezeigt?
Für welche Suchanfragen?
Auf welchen Positionen?
Gibt es Impressionen, aber kaum Klicks?
Oder gibt es überhaupt keine Impressionen?
Das sind völlig unterschiedliche Probleme.
Eine Seite, die bereits häufig angezeigt wird und knapp außerhalb guter Positionen liegt, braucht möglicherweise nur gezielte Verbesserungen.
Eine Seite, die niemand sucht, wird dagegen auch durch zwölf Stunden Keyword-Optimierung nicht plötzlich zum Publikumsmagneten. Da hakt es an anderer Stelle.
Und manchmal funktioniert eine Seite bereits gut.
Dann ist die richtige SEO-Maßnahme vielleicht:
Finger weg.
Muss ich für Google ständig neue Blogartikel schreiben?
Nein. Hundert mittelmäßige Artikel sind nicht automatisch besser als zwanzig gute.
Genau hier hat sich in den vergangenen Jahren viel Unsicherheit entwickelt.
„Sie brauchen Content.“
Also werden Blogartikel produziert.
Noch einer.
Noch einer.
Und mit KI inzwischen vielleicht gleich fünfzig auf einmal.
Google sagt allerdings nicht: Produzieren Sie möglichst viel.
Google empfiehlt Inhalte, die für Menschen hilfreich, zuverlässig und tatsächlich für sie erstellt wurden. Inhalte, deren Hauptzweck darin besteht, Suchmaschinenbesucher anzuziehen, entsprechen gerade nicht dieser Empfehlung.
Und auch bei KI ist Googles Haltung wesentlich differenzierter, als manche Schlagzeilen vermuten lassen.
KI-generierter Inhalt ist nicht automatisch schlecht oder verboten. Problematisch wird es, wenn massenhaft Inhalte erzeugt werden, hauptsächlich um Rankings zu manipulieren und ohne zusätzlichen Nutzen für Menschen. Das kann unter Googles Richtlinie gegen „Scaled Content Abuse“ fallen.
Das gefällt mir.
Denn genau so nutze ich KI selbst.
Als Unterstützung.
Zum Strukturieren.
Zum Recherchieren.
Zum Sortieren von Gedanken.
Aber meine Erfahrungen kann sie mir nicht abnehmen.
Meine Meinung auch nicht.
Und schon gar nicht meine Kundenprojekte.
Genau dort liegt für kleinere Unternehmen eine Chance
Sie haben etwas, das der hundertste austauschbare Ratgeber nicht hat: Ihre eigene Erfahrung.
Wenn Sie Tischler sind, haben Sie echte Projekte.
Wenn Sie Fotografin sind, erleben Sie echte Shootings.
Wenn Sie beraten, hören Sie echte Kundenfragen.
Wenn Sie ein Produkt herstellen, kennen Sie Probleme, Entscheidungen und Erfahrungen aus Ihrer täglichen Arbeit.
Schreiben Sie darüber.
Zeigen Sie:
Was haben Sie gelernt?
Welche Fehler begegnen Ihnen immer wieder?
Welche Entscheidung würden Sie heute anders treffen?
Was fragen Ihre Kunden?
Welche Lösung hat bei einem Projekt funktioniert – und welche nicht?
Das sind Inhalte, die nicht einfach dadurch entstehen, dass jemand einer KI sagt:
„Schreib mir 1.500 Wörter über rote Rüben.“
Und sie helfen nicht nur Google.
Sie helfen vor allem einem möglichen Kunden dabei, Sie kennenzulernen.
Und was passiert jetzt mit KI-Suche?
Überraschenderweise müssen wir SEO deswegen nicht komplett neu erfinden.
Google hat seine Suche inzwischen deutlich um generative KI-Funktionen wie AI Overviews und AI Mode erweitert. Für Websitebetreiber ist dabei interessant: Google verweist auch aus diesen KI-Ergebnissen weiterhin auf Webquellen.
Und Googles aktuelle Empfehlung dazu ist ziemlich unspektakulär:
Die bisherigen SEO-Grundlagen bleiben relevant.
Google veröffentlichte 2026 sogar eine eigene Anleitung zur Optimierung für generative Suche und betont darin unter anderem wertvolle, einzigartige Inhalte sowie die weiterhin gültigen klassischen SEO-Grundlagen. Einen geheimen neuen „GEO-Trick“, mit dem man sich einfach in KI-Antworten hineinoptimiert, gibt es demnach nicht.
Das beruhigt mich ehrlich gesagt.
Denn ich hatte wenig Lust darauf, nach SEO, SEA und Social Media SEO jetzt noch jeden Dienstag eine neue Abkürzung lernen zu müssen.
Muss ich also gar nichts Neues mehr machen?
Natürlich nicht. Eine Website darf trotzdem nicht im Jahr ihrer Erstellung stehenbleiben.
Auch das wäre die falsche Schlussfolgerung.
Ein Unternehmen verändert sich.
Angebote ändern sich.
Informationen werden veraltet.
Google verändert seine Suche.
Menschen suchen anders.
Und technische Anforderungen entwickeln sich weiter.
Deshalb halte ich Websites aktuell.
Ich überarbeite ältere Inhalte.
Ich prüfe Links.
Ich ergänze neue Erfahrungen.
Ich sehe mir an, welche Seiten gefunden werden.
Und wenn etwas nicht funktioniert, schaue ich genauer hin.
Das ist für mich aber etwas anderes als:
Jeden Monat alles optimieren, nur damit irgendetwas optimiert wurde.
Wie viel SEO braucht nun ein kleines Unternehmen?
So viel, wie sinnvoll ist.
Ich weiß.
Nicht die spektakulärste Antwort.
Aber wahrscheinlich die ehrlichste.
Wenn Sie regional arbeiten und nur wenige Leistungen anbieten, können eine technisch saubere Website, gute Leistungsseiten, ein gepflegtes Google Unternehmensprofil und einige wirklich hilfreiche Inhalte bereits eine sehr solide Basis sein.
Wenn Sie dagegen in einem stark umkämpften überregionalen Markt unterwegs sind, kann deutlich mehr Aufwand notwendig werden.
Dann sprechen wir vielleicht über:
umfangreiche Keyword- und Wettbewerbsanalysen,
größere Content-Strukturen,
technische Optimierungen,
digitale PR,
Backlinks,
laufende Auswertungen
und kontinuierliche Weiterentwicklung.
Beides ist SEO.
Nur eben nicht im selben Umfang.
Und nein: Wer am meisten für Google Ads bezahlt, gewinnt nicht automatisch bei SEO
Anzeigen und organische Suchergebnisse sind zwei verschiedene Dinge.
Das möchte ich aus meinem alten Artikel ausdrücklich korrigieren.
Google Ads können Ihnen bezahlte Sichtbarkeit verschaffen.
SEO beschäftigt sich mit den unbezahlten Suchergebnissen.
Ein großes Anzeigenbudget kauft Ihnen nicht automatisch eine bessere organische Position.
Sie können also durchaus als kleines Unternehmen organisch sichtbar werden, auch wenn größere Unternehmen wesentlich mehr Werbebudget haben.
Ob und wie gut das gelingt, hängt allerdings stark vom Wettbewerb, vom Thema, von Ihrer Region und von der Qualität Ihrer Website ab.
Auch hier also wieder:
Es kommt darauf an.
Langsam wird das mein Standardsatz im Marketing…
Meine eigene Erfahrung mit SEO ist ziemlich unspektakulär
Und gerade deshalb mag ich sie.
Ich frage neue Interessenten häufig:
„Wie haben Sie mich gefunden?“
Und eine Antwort höre ich immer wieder:
„Über Google.“
Ich habe keine riesige SEO-Abteilung.
Ich veröffentliche nicht täglich drei neue Artikel.
Und ich verbringe nicht jeden Morgen zwei Stunden damit, meine Rankings anzustarren.
Ich versuche vielmehr, meine Website technisch sauber zu halten.
Ich schreibe über Themen, mit denen ich tatsächlich arbeite.
Ich überarbeite ältere Inhalte.
Ich verlinke Dinge sinnvoll miteinander.
Und ich achte darauf, dass jemand versteht, was ich anbiete.
Das ist nicht besonders aufregend.
Aber offenbar funktioniert es.
Zumindest gut genug, dass Menschen aus meiner Region mich finden, die vorher noch nie von ARTbySpiegelfeld gehört haben.
Und genau darum geht es für mich bei SEO.
Nicht um den Pokal für Position 1.
Sondern darum, von den richtigen Menschen gefunden zu werden.
Mein Fazit: Machen Sie SEO – aber machen Sie sich nicht verrückt
SEO ist wichtig.
Eine Website einfach online zu stellen und darauf zu hoffen, dass Google den Rest schon irgendwie erledigt, würde ich nicht empfehlen.
Aber genauso wenig würde ich jedes Unternehmen in eine endlose SEO-Maschinerie schicken.
Schaffen Sie zuerst eine gute Basis.
Machen Sie verständlich, was Sie anbieten.
Beantworten Sie echte Fragen.
Zeigen Sie Erfahrung.
Halten Sie Ihre Inhalte aktuell.
Beobachten Sie Ihre Daten.
Und verbessern Sie dort, wo es tatsächlich etwas zu verbessern gibt.
Wenn Ihre Website bereits gefunden wird, Menschen die richtigen Inhalte lesen und daraus Anfragen entstehen:
Dann dürfen Sie zwischendurch auch einfach einmal zufrieden sein.
Selbst wenn irgendein SEO-Tool noch einen gelben Punkt anzeigt.
