Branding-Farben: Wie Sie Farben finden, die wirklich zu Ihrer Marke passen

Welche Farbe passt zu meiner Marke? Warum Markenfarben wichtig sind, aber nicht zur Wissenschaft werden müssen – und weshalb auch ein blauer Fuchs vollkommen in Ordnung sein kann.

Inhaltsverzeichnis

Welche Farbe soll meine Marke haben?

Klingt nach einer einfachen Frage.

Bis man vor 47 Farbfeldern sitzt und plötzlich nicht mehr weiß, ob das eine Bordeaux nun elegant, altmodisch, zu dunkel, zu feminin oder vielleicht doch genau richtig ist.

Und spätestens nach der zehnten Farbkombination sehen ohnehin alle Farben gleich aus.

Ich kenne das.

Nicht nur von meinen Kundinnen und Kunden.

Auch von mir selbst.

Meine eigenen Branding-Farben waren nämlich keineswegs vom ersten Tag an in Stein gemeißelt – es gibt soviele schöne Farben. Ich habe meinen Auftritt ebenfalls verändert, Farben angepasst und anschließend festgestellt, wie viele Dinge davon eigentlich betroffen sind.

Website.

Social Media.

Visitenkarten.

Vorlagen.

Grafiken.

Fotos.

Und plötzlich wird aus:

„Ich ändere nur schnell die Farbe.“

ein kleines Nebenprojekt.

Deshalb lohnt es sich durchaus, über Branding-Farben nachzudenken.

Nur bitte nicht so lange, bis Ihr Unternehmen vor lauter Farbentscheidung nie startet.

Farben sind mehr als Dekoration

Aber sie müssen auch keine psychologische Doktorarbeit werden.

Farben tragen wesentlich dazu bei, wie wir eine Marke wahrnehmen und wiedererkennen.

Manche Marken sind so konsequent mit bestimmten Farben verbunden, dass wir schon einen Farbton sehen und ungefähr wissen, wer dahintersteckt.

Das passiert allerdings nicht nur, weil jemand irgendwann „die perfekte Farbe“ gefunden hat.

Es passiert vor allem durch Konsequenz und Wiederholung.

Eine Farbe wird immer wieder verwendet.

Auf der Website.

Auf Verpackungen.

In Werbung.

Auf Social Media.

Auf Drucksorten.

Und irgendwann gehört sie ganz selbstverständlich zur Marke.

Deshalb ist für mich die wichtigste Frage nicht:

„Welche Farbe garantiert mir Erfolg?“ (das gibt´s nämlich kaum)

Sondern:

„Welche Farbe passt zu diesem Unternehmen und kann ich sie langfristig konsequent einsetzen?“

Das ist wesentlich weniger magisch.

Aber dafür brauchbarer.

Es gibt nicht die eine richtige Markenfarbe

Und Rot bedeutet nicht automatisch Leidenschaft.

Rund um Farben findet man unzählige Tabellen.

Rot steht für Energie.

Blau für Vertrauen.

Grün für Natur.

Gelb für Optimismus.

Schwarz für Luxus.

Kann als Orientierung interessant sein.

Nur würde ich daraus kein Gesetz machen.

Ein Unternehmen wird nicht automatisch vertrauenswürdig, weil sein Logo blau ist.

Und ein Naturbetrieb muss nicht zwangsläufig grün auftreten.

Zum Glück.

Sonst sähen ganze Branchen irgendwann ziemlich ähnlich aus.

Natürlich spielt die Wirkung einer Farbe eine Rolle.

Aber genauso wichtig sind:

Ihre Persönlichkeit,

Ihre Branche,

Ihre Zielgruppe,

Ihr Angebot,

die gewünschte Wirkung,

und vor allem die Kombination mit Typografie, Bildern und Gestaltung.

Eine Farbe arbeitet schließlich selten allein.

Ich beginne gerne mit einer Farbe, die wirklich passt

Nicht mit zwölf Farben, von denen niemand weiß, wofür sie eigentlich gebraucht werden.

Wenn ich eine Farbwelt entwickle, brauche ich nicht sofort ein komplettes Farbenfeuerwerk.

Eine starke Hauptfarbe kann ein sehr guter Anfang sein.

Dazu kommen je nach Marke vielleicht:

eine zweite Akzentfarbe,

helle und dunkle neutrale Töne,

eventuell ein Hintergrundton.

Mehr braucht es manchmal gar nicht.

Entscheidend ist vielmehr:

Welche Aufgabe hat welche Farbe?

Was wird Akzent?

Was Hintergrund?

Welche Farbe verwenden wir für Buttons?

Welche für Text?

Welche nur ganz sparsam?

Dadurch wird aus einer Ansammlung schöner Farben langsam ein System.

Und genau das ist Branding für mich:

Nicht fünf hübsche Hex-Codes nebeneinander.

Sondern eine Gestaltung, die sich immer wieder anwenden lässt.

Schauen Sie ruhig auch einmal in Ihren Kleiderschrank

Dieser Tipp kam bei mir tatsächlich von meiner Farb- und Stilberaterin.

Eine meiner liebsten kleinen Geschichten zu diesem Thema verdanke ich Tamara, meiner Farb- und Stilberaterin.

Sie meinte irgendwann sinngemäß:

„Warum nimmst du deine Markenfarben nicht auch in deiner Kleidung auf?“

Und plötzlich war das vollkommen logisch.

Denn bei mir tauchten einige dieser Farben ohnehin bereits im Kleiderschrank auf.

Ich musste also keine vollkommen neue Kunstfigur erfinden.

Ich konnte einen Blazer anziehen, der zu meinem Auftritt passte – und trotzdem immer noch ich sein.

Das fand ich spannend.

Denn gerade bei einer Personenmarke endet die Gestaltung nicht zwingend an der Website.

Wenn ich auf einem Foto, bei einem Vortrag oder Kundentermin auftauche, bin schließlich auch ich Teil dieses Gesamtbildes.

Heißt das, dass Sie ab morgen nur noch in Ihrer Markenfarbe herumlaufen müssen?

Natürlich nicht.

Ich besitze schließlich auch Kleidung, die nicht Bordeaux ist.

Aber wenn sich Farben aus der Marke ganz natürlich im eigenen Stil wiederfinden, kann das den Wiedererkennungswert ganz schön unterstreichen.

Ohne Verkleidung.

Und genau darauf kommt es mir an.

Die Farben müssen zu Ihnen passen – aber nicht nur Ihnen gefallen

Das ist manchmal der unangenehme Teil.

Natürlich sollte Ihnen Ihre Markenwelt gefallen.

Sie müssen schließlich jahrelang damit arbeiten.

Trotzdem gestalte ich ein Brand Design nicht ausschließlich nach persönlichem Lieblingsgeschmack.

Wenn jemand sagt:

„Meine Lieblingsfarben sind Türkis, Orange und Lila.“

bedeutet das nicht automatisch, dass daraus die perfekte Markenpalette entsteht.

Wir müssen uns auch anschauen:

Was bietet das Unternehmen an?

Wie soll es wirken?

Welche Menschen soll es ansprechen?

Wie sieht das Umfeld aus?

Welche Farben dominieren bereits in der Branche?

Möchten wir bewusst dazugehören?

Oder möchten wir uns sichtbar unterscheiden?

Und dann wird es interessant.

Denn manchmal ist gerade die Farbe, die „für diese Branche eigentlich niemand verwendet“, genau die richtige.

Wenn sie begründet ist.

Branchenfarben sind eine Orientierung – kein Gesetzbuch

Ein Fuchs darf übrigens auch blau sein.

Bestimmte Farben begegnen uns in manchen Branchen häufiger.

Grün bei Natur- und Gartenthemen.

Blau im technischen oder medizinischen Umfeld.

Zurückhaltende Töne bei Beratung und Finanzthemen.

Das hat oft gute Gründe.

Menschen haben gelernt, bestimmte visuelle Codes zu lesen.

Aber Branding bedeutet für mich nicht, diese Codes einfach nachzubauen.

Manchmal können wir sie nutzen.

Manchmal bewusst brechen.

Wenn die Entscheidung zur Marke passt.

Ich hatte bei einem Kundenprojekt beispielsweise einen blauen Fuchs im Logo.

Und tatsächlich wurde mir einmal erklärt:

Ein Fuchs sei doch braun.

Ja.

Das wusste ich.

Der Fuchs allerdings offenbar nicht. 😉

Er war blau, weil es zur Marke passte.

Nicht weil wir im Biologieunterricht gefehlt hatten.

Und genau das ist für mich der Unterschied zwischen einem Versehen und einer bewussten Designentscheidung.

Bitte suchen Sie nicht wochenlang nach dem perfekten Farbton

Perfektion ist bei digitalen Farben ohnehin eine etwas wackelige Angelegenheit.

Eine Sache beruhigt viele Kundinnen und Kunden:

Ihre Farbe wird nicht auf jedem Bildschirm exakt gleich aussehen.

Mein eigener Auftritt sieht auf unterschiedlichen Monitoren (und bei mir stehen 3 Monitore nebeneinander) ebenfalls leicht verschieden aus.

Ein Display ist heller.

Das andere wärmer.

Ein Smartphone stellt Farben kräftiger dar.

Abends schaltet vielleicht noch irgendein Nachtmodus das gesamte Bild Richtung Gelb.

Das ist normal.

Deshalb würde ich mich nicht daran festbeißen, ob ein Bordeaux auf Ihrem Laptop um eine winzige Nuance anders aussieht als auf Ihrem Handy.

Viel wichtiger ist:

Wir definieren die Farben eindeutig.

Wir verwenden sie innerhalb Ihrer Gestaltung konsequent.

Und wir achten darauf, dass Kontraste und Lesbarkeit funktionieren.

Für Webinhalte ist sRGB weiterhin ein sinnvoller Standardfarbraum.

Damit schaffen wir eine solide technische Basis.

Was wir nicht schaffen können:

jeden Bildschirm dieser Welt persönlich einzustellen.

Schade eigentlich.

Wäre eine interessante Zusatzleistung.

Denken Sie bei Farbe auch an Lesbarkeit

Ein schöner Farbton hilft wenig, wenn niemand den Text lesen kann.

Das ist ein Punkt, der bei der Farbauswahl gerne vergessen wird.

Eine Farbe kann wunderschön aussehen.

Aber vielleicht funktioniert weiße Schrift darauf kaum.

Oder ein sehr zarter Rosaton sieht auf dem Monitor elegant aus, lässt Texte darauf aber beinahe verschwinden.

Branding-Farben müssen deshalb nicht nur schön aussehen.

Sie müssen funktionieren.

Gerade auf einer Website brauchen wir ausreichende Kontraste.

Buttons müssen erkennbar sein.

Text muss lesbar bleiben.

Links sollten auffallen.

Und auch Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen müssen Inhalte wahrnehmen können.

Das ist für mich ein gutes Beispiel dafür, warum Brand Design eben mehr ist als:

„Welche Farbe gefällt Ihnen?“

Gestaltung muss am Ende benutzt werden können.

Meine eigene Marke brauchte übrigens auch mehr als einen Anlauf

Und wahrscheinlich ist genau das ziemlich normal.

Ich könnte natürlich behaupten, dass ich meine eigene Farbwelt von Anfang an vollkommen klar vor Augen hatte.

Hatte ich nicht.


Meine Marke hat sich entwickelt.

Ich habe mich entwickelt.

Mein Unternehmen ebenfalls.

Und irgendwann passten manche Dinge einfach nicht mehr so gut wie früher.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die erste Entscheidung schlecht war.

Vielleicht war sie für diesen Zeitpunkt genau richtig.

Heute sehe ich Branding deshalb weniger als etwas, das man einmal erstellt und anschließend für die nächsten 35 Jahre unangetastet in einen Tresor legt.

Eine Marke darf sich entwickeln.

Die Kunst liegt für mich eher darin, nicht jedem neuen Trend hinterherzulaufen.

Wenn Sie alle sechs Monate Ihre Farben ändern, weil gerade etwas anderes modern ist, wird Wiedererkennung schwierig.

Wenn sich Ihr Unternehmen aber tatsächlich verändert hat, darf sich auch der visuelle Auftritt mitentwickeln.

Sie müssen sich entscheiden – irgendwann

Auch wenn Farbe Nummer 38 ebenfalls ausgesprochen hübsch wäre.

Ich kenne diese Gespräche:

„Das gefällt mir.“

Pause.

„Aber das daneben ist auch schön.“

Noch eine Pause.

„Können wir vielleicht noch eine Variante probieren?“

Natürlich können wir.

Und irgendwann haben wir 17 Varianten und wissen weniger als vorher.

Deshalb kommt ein Zeitpunkt, an dem man eine Entscheidung treffen muss.

Nicht blind.

Nicht beliebig.

Aber auch nicht mit dem Anspruch, jene eine Farbkombination zu finden, die bis ans Ende aller Zeiten objektiv die beste ist.

Denn die gibt es nicht.

Wir suchen eine Farbwelt, die:

zu Ihrer Marke passt,

gut funktioniert,

wiedererkennbar ist,

sich konsequent einsetzen lässt

und mit der Sie sich wohlfühlen.

Wenn das gegeben ist, würde ich irgendwann sagen:

Nehmen wir sie.

Und machen endlich etwas daraus.

Mein Fazit: Farbe ist wichtig – aber sie ist nicht die Marke

Branding-Farben können unglaublich viel dazu beitragen, einen Auftritt zusammenzuhalten.

Sie schaffen Wiedererkennung.

Sie geben Orientierung.

Und sie können sehr deutlich vermitteln, wie ein Unternehmen wirken möchte.

Aber die Farbe allein macht noch keine Marke.

Sie kann nicht ersetzen, wofür Sie stehen.

Sie erklärt nicht Ihr Angebot.

Und sie schafft auch nicht automatisch Vertrauen.

Deshalb:

Nehmen Sie Ihre Farben ernst.

Treffen Sie die Entscheidung bewusst.

Legen Sie eine klare Palette fest.

Verwenden Sie diese konsequent.

Aber verlieren Sie bitte nicht drei Monate Ihres Lebens bei der Frage, ob Sie nun #6C023A oder #6B0239 verwenden sollten.

Irgendwann sieht vermutlich ohnehin jemand Ihre Website am Handy mit Nachtmodus.

Und dann war die ganze Aufregung umsonst.

AUTORIN Manuela Spiegelfeld
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